Aus dem Amerikanischen von Helmut Winter. Henry Louis Mencken (1880-1956) ist erstens tot und zweitens Amerikaner, womit er gleich in zwei Richtungen der Reichweite hiesiger-heutiger Tugendwächter entkommen ist. Das ist auch nötig, denn im vorliegenden Band macht er sich in drei Pamphleten auch gleich dreier Ruchlosigkeiten schuldig: des Anti-Feminismus ("Die Verteidigung der Frau", 1918), des Anti-Amerikanismus ("Das amerikanische Credo", 1920) und der Demokratiefeindlichkeit ("Demokratenspiegel", 1926), wobei für Mencken diese drei Objekte seines Spottes nur drei Aspekte ein und derselben Abirrung sind. Mencken ist, wie Helmut Winter in seinem Nachwort betont, kein systematischer Denker, sondern wie Karl Kraus und Kurt Tucholsky ein sprachmächtiger Schreiber mit einer unbändigen Lust an der provokanten Formulierung. (Weshalb er übrigens auch zusammen mit Ambrose Bierce der Vertreter Amerikas in Jörg Drews "Endgültigem zynischem Lexikon" ist.)
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.05.2003
Christoph Bartmann offenbart sich als ambivalenter Fan von H. L. Mencken, dem "einflussreichsten Privatmann der Vereinigten Staaten, wie man ihn auf der Höhe seines Ruhmes nannte". Die Schriften des bekannten und umstrittenen Journalisten, von ihm selber zu Lebzeiten schon auf Buchausgaben hin angelegt, sind hier bis auf das Buch "The American Language" komplett versammelt, wobei Bartmann die zwar brillanten, aber der damaligen Zeit verpflichteten journalistischen Stücke eher kalt ließen, während insbesondere die autobiografischen Texte des zweiten Bandes seine Begeisterung hervorriefen. Und was ist mit Menckens Ansichten, die seinen fragwürdigen Ruhm als Frauenfeind, Rassist und Antisemit begründeten? Frauenfeindlich, schreibt Bartmann, sei er ohne Zweifel gewesen, aber eben auch männerfeindlich, vor allem was den amerikanischen Durchschnittsmann angeht. Und Menckens Sympathie für Hitler sei nicht wegzudiskutieren, doch solle man doch das Augenmerk lieber auf die Vorzüge seiner Schriften lenken: Scharfsinn und schonungslose Subversivität. Wie sein Vorbild Mark Twain, findet der Rezensent.
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