Aus dem Dänischen von Helmut de Boor. Ein scheinbar neutraler Herausgeber, der allerdings immer wieder den Text kommentiert, präsentiert die hinterlassenen Papiere seines Freundes Jake Sonarson. Dieser wiederum beschreibt ungeheuerliche Vorgänge: verwirrt durch die Fanfarenklänge der dänischen Nationalhymne, die er in der Silvesternacht laut im Radio hörte, seien auf Sonarsons Hof einige Gestalten aus ihren Gräbern wiederauferstanden, die die Nationalhymne mit den Posaunen zum letzten Gericht verwechselt hätten. Der moderne Eremit Sonarson muss nun mit diesen historischen Gestaltenleben unter ihnen eine handfeste Bäuerin, ein unzüchtiger Pfarrer, ein trinkfester Sagendichter und ein Mann ohne Kopf.Die Gestalten wiederum halten ihn für den lieben Gott. Mit dem 1932 erstmals erschienen Roman "Vikivaki" - benannt nach einem legendären, von den isländischen Kirchenoberen verbotenen Tanz - konzentriert Gunnar Gunnarsson die isländische Geschichte auf einem kleinen Anwesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2012
Der Wunsch, einander Widerstrebendes zu vereinen, spricht für Nicole Henneberg aus jeder Seite dieses erstmals 1932 erschienenen Romans von Gunnar Gunnarsson. So entdeckt sie in der Geschichte um einen Schriftsteller am Tiefpunkt seines Schaffens Melancholie und Slapstick, Spott und Schwermut, Historisches und Symbolisches, Archaisches und Utopisches à la H.G. Wells und Huxley. In jeden Fall aber auch viel isländisches Lebensgefühl, dem sich der Autor mit seiner Parabel nähert, wie sie schreibt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2011
Peter Urban-Halle stellt Gunnar Gunnarssons Gruselroman-Parodie von 1933 vor, die jetzt in einer überprüften Übersetzung vorliegt. Auf einem isländischen Hof, der unseliger Weise auf einem Friedhof erbaut wurde, erscheinen lebende Tote, um vor dem Hofbesitzer, den sie für Gott halten, zu beichten, erfahren wir. Die skurrilen Figuren und ihre Geschichten sollen vor allem "witzig" sein, meint der Rezensent, was in seinen Augen überwiegend gelingt. Die Beichten der Toten drehen sich dabei hauptsächlich um amouröse Verwicklungen, und hier sieht Urban-Halle einen Zusammenhang zu Gunnarssons eigenem Leben, den er uns auch nicht vorenthält. Ein Nachwort, das einige isländische Besonderheiten erklärt hätte, hat der Rezensent in dieser Ausgabe schmerzlich vermisst, wie er zugibt.
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