Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Gudmundur Andri Thorsson
Nach Island!
Klappentext
Aus dem Isländischen übersetzt von Helmut Lugmayr. Island, die Insel am Ende der Welt. Eine schroffe Landschaft, ein bäurischer Menschenschlag, der Umgang mit Riesen und Trollen pflegt, magische Orte, an denen zu sein nicht geheuer ist. Eine junge Magd, die der Sitte gemäß dem englischen Gast zu Diensten war, schickt diesem ihr Kind nach der Geburt, damit es im Leben eine bessere Chance hat. Denn in England liegt die Zukunft ? es ist die Zeit der Dampfmaschinen, des industriellen Aufbruchs. Dreißig Jahre später reist dieses Kind, inzwischen ein wohlhabender Herr, in die Heimat seiner Mutter, um nach ihrer Familie zu suchen. Aber seine sentimentale Reise ist eine Lüge. Er ist auf der Flucht. Vor einer Schuld. Vor einem Verbrechen, das er leichtfertig beging.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.10.2000
Werner Irro zeigt sich auf stille Weise fasziniert von diesem Buch. Zwar ist er der Ansicht, dass auch hier zunächst sattsam bekannte Island-Klischees transportiert werden, etwa das von den "freundlich-verschlossenen, etwas unbedarften Menschen". Jedoch macht er in diesem Buch auch schnell "Widerhaken" aus, die gerade diese Klischees sabotieren. So habe der Autor einen Rollentausch vorgenommen: Nicht der Island-Besucher ist es, der den Inselbewohnern Nachhilfeunterricht in industrieller Modernisierung geben will, sondern der einheimische Reiseführer selbst ist es, der von Schwefel- und Fischexport träumt. Der Reisende vielmehr sehnt sich nach der Bodenständigkeit und Abgeschiedenheit, der Einfachheit. Dem Autor ist dabei, so Irro, die "nicht leichte Gratwanderung zwischen Vernunft und Intuition, Geist und Seele" gelungen, nicht zuletzt, weil er der isländische Sagatradition in diesem Buch eine bedeutende Rolle zukommen lässt. Wie sich der Leser dies genau vorzustellen hat, wird in der Rezension allerdings nur vage deutlich. Die Stärke des Buchs liegt für Irro nicht zuletzt darin, dass es - gerade dadurch, dass die Geschichte im 19. Jahrhundert angesiedelt ist - zum Nachdenken über das, "was Fortschritt sei, was einem freien Volk zustehe" anzuregen vermag.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2000
Ingeborg Harms gefällt an diesem Roman besonders die "historische Patina", die sich in einer "Umständlichkeit des Tons und der Emotionen" niederschlägt. Sie beschreibt, wie sich die Geschichte des Engländers, der vorgeblich auf der Suche nach seiner isländischen Mutter ist, aber auch vor einem Verbrechen flieht, dass er in England begangen hat und die Landschaft Islands gegenseitig spiegeln: Während der junge Mann von bösen Träumen verfolgt wird, erscheint Island als zerstörte Landschaft mit verdreckten Siedlungen und nach Urin stinkenden Menschen. Die Verschränkung von "Erlebnis und Selbstanalyse" erinnert die Rzensentin an Erzählungen von Hofmannsthal: "Kunstvolle Übergänge führen vom Prosaischen ins Dämonische".
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