Der polnische Mikrobiologe und Wissenschaftstheoretiker Ludwik Fleck gilt seit langem als Klassiker der Wissenschaftstheorie und erlebt derzeit eine Renaissance, die sich durch die verschiedenen Disziplinen zieht. Die neue Studienausgabe trägt dem Rechnung und versammelt bekannte und unbekannte Texte Flecks zum Teil erstmals in deutscher Übersetzung sowie biographisches Material und Briefe. Dokumentiert wird die ganze Breite von Flecks Denken und Wirken, wodurch nicht zuletzt der politische Hintergrund seiner Wissenschaftstheorie und medizinischen Praxis sichtbar wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2012
Lea Haller schätzt diesen Band mit Schriften des Immunologen und Wissenschaftstheoretikers Ludwik Fleck (1896-1961). Sie würdigt den Autor als einen wichtigen Vertreter einer Soziologie des Wissens, der in seinen wichtigen Arbeiten gezeigt hat, dass Wissen immer auch Ausdruck und Niederschlag von zeit-, kultur- und gruppenbedingten Denkens ist. Der vorliegende Band "Denkstile und Tatsachen" kreist nach ihren Angaben ebenfalls um diese Themen, geht aber auch über sie hinaus. So findet sie darin u.a. Erstveröffentlichungen, Repliken von Kolleginnen und Kollegen, Fachbeiträgen aus der Immunologie, Berichte über Flecks Zeit in den Konzentrationslagern, Briefe, Rezensionen und Gutachten. Lobend äußert sich die Rezensentin insbesondere über die sorgfältige Kommentierung der Texte. Ihr Fazit: eine exzellente Werkausgabe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2011
Michael Hagners weit ausholende und prominent platzierte Besprechung lässt keinen zweifel daran, welch große Bedeutung er den Schriften des Wissenschaftstheoretikers Ludwik Fleck beimisst. Der polnische Biomediziner beschrieb bereits 1935 in seinem berühmten Aufsatz "Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache", wie abhängig alle Wissenschaft von ihrem historischen, sozialen und politischen Kontext ist, wie sehr sie von Wissenskulturen, Denkstilen oder der "Stimmung" eines Denkkollektivs. Dass die Wissenschaftspositivisten des Wiener Kreises Flecks Überlegungen damals ablehnten, wundert Hagner gar nicht, doch für ihn gehören sie zum "Lohnendsten", was man in diesem Feld überhaupt lesen kann. Und dass Sylwia Werner und Claus Zittel sie nun in dieser vorbildlich edierten Sammlung herausgegeben haben, kann er gar nicht genug loben, zumal sie außer den kanonischen Schriften auch bisher weniger bekannte Äußerungen Flecks aufgenommen haben, in denen er von seiner Zeit im Lemberger Getto und in den Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz spricht.
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