Ein Abbild Deutschlands, gesehen vom Rücken der Eselin Bella aus. Was Lorenz Schröter auf seiner Deutschlandreise erlebt hat, hätte wohl nur Bella besser erzählen können. Aber Esel haben ja auch einen größeren Kopf. Über Stock und Stein, durch Welder und Felder reitet Lorenz Schröter wochenlang quer durch Deutschland, vom Rhein bis an die Elbe. Auf dieser ungewöhnlichen Reise trifft er allerhand interessante Menschen, aber auch sich selber - und so entsteht quasi en passant ein manchmal komisches, manchmal ganz schön trauriges Zeitbild dieses unseres Landes. Die Lektüre wird den Lesern die Tränen in die Augen treiben, vor Weinen, aber auch vor Lachen. Warum er diese Reise macht? Es geht ihm um das Erlebnis einer Reise. Die Welt durch die Augen eines Esels zu erleben, ist für ihn ein neues Medium. »Als ob ich durch ein buntes Glas schaue.« Und was hätte Bella zu alldem gesagt?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2001
Etwas gemischt fällt Andreas Nentwichs Urteil über diese Reisebeschreibung von Lorenz Schröter aus. Der war im Sommer 98 auf einem Esel durch Deutschland gereist. Einerseits hat Nentwich offensichtlich schon Spass an Schröters Beschreibungen der deutschen Provinz und erkennt darin auch eine trostlose Realität wieder, "gefangen in angstbesetzter Saturiertheit, abwaschbar, steril und vermauert", andererseits stört ihn bisweilen dessen Art, permanent seine Meinung kundzutun. Er attestiert Schröter "eine Bekennerlust, die sich bisweilen sehr an die Untiefen privater Verständigungstexte verliert" und im Persönlichen stecken bleibt, statt sich am gewählten Thema abzuarbeiten. Trotz dieser Schwachpunkte findet der Rezensent in dem Buch allerlei Interessantes über die "Werktagsseite der sogenannten deutschen Leitkultur". Gelungener findet Nentwich die Momente, wo der Autor über zwei Dinge, von denen er nach des Rezensenten Meinung viel versteht, auslässt: "Lesen und Reisen" und die Parallelen dieser beiden Hobbys.
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