Bücherschau der Woche
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Annette Pehnt
Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen, das muss gar nicht lange dauern
Erzählungen
Klappentext
Da ist die vermeintlich glückliche junge Frau, die von der Feststellung einer alten Chinesin verblüfft wird: "Ihre Schönheit schlummert in Ihrem Gesicht. Sie haben nur vergessen, wo sie ist." Da ist die verzweifelt fantasievolle Zugbegleiterin, die sich wünscht, neben ihren Reisenden einzuschlafen. Oder die Verzagtheit zweier Kinder, deren Mutter eines Tages einfach ins Krankenhaus verschwindet. Ob alles wieder gut wird? Ob sie wieder zu sich zurück finden? Trauer, Liebe, Schmerz und Nähe: Tiefenscharf und mit großer Empathie leuchtet Annette Pehnt unseren Alltag aus und entdeckt den Ausnahmezustand im Normalen. Jede ihrer Erzählungen sucht Worte für unsere Sprachlosigkeit und erzählt von den Momenten unseres Lebens, die uns zu Menschen machen.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.07.2010
Großen Eindruck haben diese unaufdringlich lakonischen Erzählungen auf Rezensentin Gabriele Killert gemacht, die sie vor allem wegen des sicheren Gespürs der Autorin für die "Entfremdungszusammenhänge" ihrer Protagonisten bemerkenswert findet. Wahre Empfindungen kämen nur als "anfallartige Momente" vor, von den "überanstrengten Körpern quasi unter Ausschluss des Bewusstseins" erzwungen. Ein zentrales Motiv dieser Studien aus dem deutschen Alltag seien Gesten unmittelbarer Nächstenliebe. Am eindringlichsten findet die Kritikerin jene Erzählungen und Porträts, die sich mit kindlichen, halbwüchsigen oder leicht autistischen Menschen auseinandersetzen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2010
Understatement ist ein Wort, das auch passen würde zu den Texten von Annette Pehnt. An den sechs neuen Erzählungen schätzt Roman Bucheli diese bloß in der Sprache hörbar werdenden Verschiebungen, die Pehnts Figuren auszeichnen. Zwischen Exzentrik und Verrücktheit bewegen sich diese verlorenen Seelen, nicht immer gleich überzeugend, wie Bucheli einräumt, der den Kippmoment ins Ungewöhnliche immer dort am besten herauspräpariert sieht, wo die Wahrnehmung nicht mehr mitkommt. Dann weiß er Pehnts analytisches Vermögen auf seiner Höhe, das "nicht pathologisiert", sondern nüchtern schildert und so eine Aura schafft, die den Rezensenten bezaubert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.03.2010
Der Autorin attestiert Rezensentin Meike Fessmann ein fast britisches Understatement. Annette Pehnts Stil beschreibt sie als beinahe kunstlos und von nüchterner Empathie getragen. Der erzählerische Trick, der Fessmann die hier versammelten Erzählungen (bis auf die letzte, eher schwache, wie sie schreibt) so lesenswert erscheinen lässt, ist vor allem perspektivischer Art. So wird eine Bahnfahrt ganz aus der Sicht einer Zugbegleiterin geschildert. Dass es sich dabei um eine leicht aus der Spur geratene Frau handelt, findet Fessmann ebenfalls typisch Pehnt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.02.2010
Als Meisterin der Beschreibung ungesättigten Lebens sieht Anja Hirsch die Schriftstellerin Annette Pehnt, die nach mehreren Romanen nun einen Erzählband vorlegt. Die sechs unterschiedlichen Erzählungen der Autorin bestechen die Rezensentin als "scharfe, lupenreine Prosa" und sind alle durch ein unerhörtes Ereignis verbunden. In den Geschichten führen rastlose, einsame Menschen Selbstgespräche oder sind auf der Suche nach ihrem Sehnsuchtsort, an dem es kein Unglück gibt, wie Hirsch gelesen hat. Mit "zartironischen Satzgebäuden" schafft es Pehnt ihrer Meinung nach, langweilige Klischees in interessante Geschichten münden zu lassen und sich dabei gegenüber den Figuren Anteil nehmend zu zeigen. Der Erzählband lässt die Rezensentin zum Schluss ein wenig verwirrt in einem "Wort- und Gedankengestöber" zurück, jedoch voller Bewunderung für Pehnt, die nach Meinung Hirschs zeigt, wie alles angesichts eines Gesamtunglücks trotzdem irgendwie weitergeht.
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