Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Jiddischen von Hubert Witt. Zum Band "Wilner Getto": Juli 1944. An der Vertreibung der deutschen Eroberer aus Wilna sind auch jüdische Partisanen beteiligt. Nur Wenige haben überlebt. Kaum etwas ist geblieben vom "Jerusalem des Nordens", das Wilna einmal war: eines der bedeutendsten Zentren jüdischer Kultur in Osteuropa. Einige Handschriften, Bücher, Skulpturen und Leuchter konnten vor der Zerstörung bewahrt werden - in schützenden Verstecken oder vergraben im Erdboden. Abraham Sutzkevers Bericht Wilner Getto 1941-1944 ist Teil und Spur dieser Geschichte. Zu den "Gesängen": Sutzkevers lyrisches Werk, das in dieser Auswahl zum ersten Mal in deutscher Sprache vorliegt, ist eine poetische Zeugenaussage, mit deren Sprachgewalt er in den Louvre der großartigsten Dichtungen des 20. Jahrhunderts Einzug hält. In den jiddischen Versen von Abraham Sutzkever pulsieren die Emotionen in der jahrhundertealten Sprache der Träumer und Kabbalisten, Märtyrer und Heiligen. Es ist eine Sprache der Weisheit und Bescheidenheit, das Idiom einer verängstigten und hoffnungsvollen Menschlichkeit - reich an Erinnerungen, die über Generationen hinweg bewahrt werden.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.01.2010
Als außerordentlichen Künstler und mutigen Menschen stellt Susanne Mayer den gerade verstorbenen großen Dichter des Jiddischen, den israelischen Schriftsteller Abraham Sutzkever vor, dessen hier versammelten Gedichte über die Ausrottung der Juden Wilnas sie ebenso ausgeprägten Lebenshunger wie Gestaltungswillen und Sprachmacht bescheinigt. Vor allem die bittere wie lakonische Verdichtung von Ereignissen und Motiven, aus denen Sutzkever seine Gedichte macht, beeindrucken sie tief. Dreizehn Zeilen brauche dieser Dichter, um von der Geburt eines Kindes, dem Mord an ihm und seiner Mutter sowie der Deportation der Großmutter aus der angedeuteten Perspektive des Vaters, Ehemanns und Sohnes dieser Toten zu erzählen. Ein poetisches Geschichtsbuch sei dies, schreibt Mayer. Sutzkever schneide Augenzeugen- mit Kampfberichten und Porträts gegeneinander, in denen sich Szenen von großem Schrecken entfalteten, die gelegentlich mit einer an den Rand der Unerträglichkeit gehenden Kargheit der Verzweiflung Ausdruck geben würden.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2010
Als letzten großen Dichter jiddischer Sprache bezeichnet Volker Breidecker den kaum bekannten Autor, der jetzt 96-jährig in Tel Aviv gestorben ist, was das Buch, laut Breidecker zum Epitaph macht. Breidecker erzählt die Geschichte des Abraham Sutzkever, über seine Rolle im kulturellen Leben sowie auch im bewaffneten Widerstand innerhalb des Wilnaer Ghettos. Die beiden vorliegenden Bände mit Prosa und Dichtung findet er großartig übertragen. Parallel gelesen eröffnen der Prosabericht, ein "Mosaik" aus Augenzeugenberichten, Tagebuch, Reportage und Erzählung, und die gleichzeitig entstandenen Gedichte dem Rezensenten Einblicke in die Hölle von Wilna. Was keinem Historiker oder Dichter mit vergleichbarer Intensität gelang, erklärt Breidecker achtungsvoll, nämlich die Opfer der Massenvernichtung der Entindividualisierung zu entreißen, Sutzkever gelingt es.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2010
Judith Leister erzählt die bewegende Geschichte dieses bei uns kaum bekannten Autors. Als einen der wichtigsten Poeten jiddischer Sprache stellt sie uns den 1913 in Weißrussland geborenen Abraham Sutzkever vor, der vergangenen Mittwoch in Tel Aviv gestorben ist und dessen erstmals 1946 veröffentlichtes erschütterndes Tagebuch aus dem Wilnaer Getto im Amman Verlag erscheint. Kenntnisse der Geschichte der Schoa schützen die Rezensentin nicht vor dem Erschauern angesichts der von Sutzkever aufgezeichneten Berichte seiner Leidensgenossen und des Vernichtungswillens der Deutschen. Für Leister spiegeln die Tagebucheinträge nicht zuletzt das politisch verfinsterte Klima der Zeit. Das Anonymbleiben litauischer Kollaborateure im Text führt sie darauf zurück. Bei aller Bemühung um eine feinsinnige Übersetzung und liebevolle Gestaltung des Bandes - ein solche Unklarheiten beseitigendes Geleitwort hätte sie äußerst sinnvoll gefunden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2009
Recht ausführlich beschreibt Stefana Sabin die historischen Hintergründen jüdischen Lebens in Wilna, insbesondere die Tradition jüdischer Aufklärung in der Stadt, bis zur bereits 1941 stattgefundenen Einrichtung des dortigen Gettos. Abraham Sutzkever, der später zum wohl bedeutendsten Zeugen des Gettos wurde, hatte 1932 sein erstes Gedicht, dann auch einen Band jiddischer Gedichte veröffentlicht. Er wurde Teil des reichen kulturellen Untergrundlebens des Gettos, auch des Widerstands: er versteckte für die Vernichtung bestimmtes jüdisches Kulturgut in Wilna. In den vorliegenden zwei Bänden sind nun einerseits Sutzkevers Gedichte, in denen er den Alltag im Wilner Getto eindrücklich schildert, andererseits auch seine hinterher (er überlebte, und lebt heute in Israel) verfassten Zeugenberichte versammelt. Sabin zitiert aus diesen Gedichten ausführlich, betont, dass der Zeuge und der Lyriker in Sutzkever nicht voneinander zu trennen sind, und kann diesen Band als eine der letzten Großtaten des bald schließenden Ammann-Verlags jedermann dringlich empfehlen.
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