Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Hartmut Pogge von Strandmann
Imperialismus vom Grünen Tisch
Deutsche Kolonialpolitik zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und "zivilisatorischen" Bemühungen. Studien zur Kolonialgeschichte Bd.
Klappentext
Wenn von deutscher Kolonialgeschichte die Rede ist, dann wird zumeist Leben und Herrschaft der Deutschen in Afrika, China oder der Südsee thematisiert. Unberücksichtigt bleibt, dass die Richtlinien der Kolonialpolitik in Berlin ausgearbeitet und dann den Kolonialbeamten vor Ort übermittelt wurden. Eine der wichtigsten Institutionen für einen solchen Imperialismus vom Grünen Tisch war der 1891 gegründete Kolonialrat. Dort debattierten Unternehmer, Missionarsvertreter und Koloniallobbyisten alle die Kolonien betreffenden Fragen und legten in Abstimmung mit der Regierung die Prioritäten der deutschen Kolonialpolitik fest. Dabei dominierten eindeutig wirtschaftliche und machtpolitische Interessen. Für eine zivilisatorisch bedingte Politik gegenüber der Kolonialbevölkerung blieb nur wenig Raum. Nach der zunehmend lauter werdenden Kritik im Reichstag wurde der Kolonialrat 1907/08 aufgelöst, 1911 und 1913 aber erneut in anderer Form einberufen. Hartmut Pogge von Strandmann stellt nun erstmals den Kolonialrat ins Zentrum einer wissenschaftlichen Untersuchung und analysiert auf der Basis bisher nicht ausgewerteten Quellenmaterials die Auseinandersetzungen und Entscheidungen dieses für die Kolonialpolitik wichtigsten Beratergremiums.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2010
Dass der Autor Hartmut Pogge von Strandmann die Perspektive der Opfer nicht berücksichtigt, ist eigentlich ein Ding. Schließlich geht es um Kolonialpolitik vom grünen Tisch. Da wurde Sklaverei verhandelt! Michael Epkenhans hält den Blickwinkel des Autors dennoch für interessant. Über Bismarck-Deutschlands Interessen in Afrika (politisch, wirtschaftlich, was sonst) wird er bei Pogge prägnant informiert. Und mehr noch: der Autor nimmt sich den wenig bekannten Kolonialrat und seine Debatten vor. Und dass ist dann doch beklemmend zu lesen für den Rezensenten.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.03.2010
Laut Thomas Speckmann zeigt die "luzide" Studie des Oxforder Historikers Hartmut Pogge von Strandmann, wo die Triebfedern für eine deutsche Kolonialpolitik lagen. Am Beispiel des Bürgertums kann der Autor dem Rezensenten zeigen, wie sehr das British Empire dafür als Rollenmodell funktionierte und wie stark die nationale Akzeptanz für Deutschlands koloniale Ambitionen vor dem Ersten Weltkrieg wirklich war. In einem "überaus erhellendem" Kapitel des Bandes erfährt der Rezensent, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen kaiserlichem und nationalsozialistischem Imperialismus lagen, etwa betreffend die militärische Strategie oder die Rolle deutscher Unternehmen.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2009
Andreas Eckert macht einen Trend zur Wiederentdeckung der deutschen Kolonialgeschichte seit ungefähr zehn Jahren aus, in die sich auch das Buch von Hartmut Pogge von Strandmann einfügt. Der bereits vor einigen Jahren emeritierte Professor für Geschichte in Oxford widmet sich in seiner Studie besonders gründlich dem bisher nicht systematisch erforschten Kolonialrat, einem 1891 gegründeten Beratungsgremium, und stellt dessen Geschichte dar, erklärt der Rezensent. Daneben gewinnt die Kolonialpolitik zwischen wirtschaftlichen und zivilisatorischen Interessen Kontur, stellt Eckert fest. Allerdings fällt ihm auf, dass sich der Autor kaum für kulturgeschichtliche Aspekte geschweige denn für die Praxis in den Kolonien und für die Kolonisierten selbst interessiert, und er hat nach eigenem Bekunden der Lektüre nicht wirklich neue Erkenntnisse entnehmen können. Vielleicht scheint Eckert deshalb diese Studie bei allem Kenntnisreichtum und der gründlichen Auswertung der Quellen auch historiografisch das "Parfüm der sechziger und siebziger Jahre" auszuströmen, auch wenn sich der Rezensent grundsätzlich interessiert zeigt.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








