Aus dem Arabischen von Doris Kilias. Eines Morgens werden die beiden Brüder Hussain und Hassanein aus der Schule gerufen: Der Vater ist tot. Sein Tod bringt die Familie an den Rand des Abgrunds. Wie soll die Mutter ihre vier Kinder in Ehren hochbringen? Mit Energie und Entschiedenheit nimmt sie die Zügel in die Hand. Doch jedes Kind will auf seine Art die Familie unterstützen und geht einen eigenen Weg. Eine Zeit lang geht alles gut, doch der Untergang der Familie, die sich an die letzten Schimmer des Glücks klammert, rückt unausweichlich näher. Als der älteste Sohn als Rauschgifthändler verhaftet wird, Hassanein mit der Auflösung der Verlobung seine Braut an seinen Bruder Hussain weitergibt und Nafisa in einer Absteige aufgegriffen wird, liegt der Schein des ehrbaren Lebens für die ganze Familie in Trümmern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2000
Renate Wiggershaus ist von dem Roman beeindruckt, dessen Autor sie als "bedeutendsten ägyptischen Erzähler des 20. Jahrhunderts" würdigt. Sie ordnet das erst jetzt in deutscher Übersetzung erschienene Buch der mittleren, "sozialkritischen" Werkphase Machfus` zu. Im Zentrum stehe der soziale Abstieg einer Familie. Zwar bezeichnet die Rezensentin die Wirkung des Realismus` dieses Romans nicht zuletzt durch den zeitlichen und kulturellen Abstand für hiesige Leser als "holzschnittartig", preist aber im gleichen Atemzug die dadurch entstehende "atmosphärische Dichte" der Schilderungen. Als besonders positiv hebt sie hervor , wie der Autor die Schuld zwischen dem Einzelnen und den gesellschaftlichen Verhältnissen verteilt hat, denn das schärfe den "Sinn für die Komplexität des Lebens".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.09.2000
Erdmute Heller geht in ihrer Rezension zunächst auf die Entwicklung des Romans in Ägypten ein und berücksichtigt dabei insbesondere die Hinwendung des Autors zum realistischen Roman, die für seine frühe Zeit, in der auch der vorliegende Roman entstand, von Bedeutung war. Die Stärke der frühen Romane Machfus sieht die Rezensentin vor allem darin, dass er die ägyptische Gesellschaft "in tiefer sozialer, psychologischer und politischer Krise" zeigt. Dies sein insofern ungewöhnlich, als dass bis dahin das Schicksal der Benachteiligten in Ägypten "unter dem Deckmantel der Moral, Religion und der Heuchelei verschwiegen worden war". Zwar hält Heller diesen Roman nicht für den stärksten des Autors. Jedoch betrachtet sie dieses Buch (wie auch die "Midaq-Gasse") als frühe Probe für seine Kairo-Trilogie, "mit der Machfus die realistische Phase seines literarischen Schaffens abgeschlossen hat".
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