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Karl Heinz Bohrer
Das Tragische
Klappentext
Vor 2500 Jahren fanden Aischylos, Sophokles und Euripides in Athen eine Theatersprache, die uns bis heute bewegt. Ein wesentliches Element der attischen Tragödie ist der Schrecken: Er soll beim Zuschauer moralische reinigende Wirkungen entfalten. In der Moderne hat sich die Kunst von Ansprüchen der Moral befreit. Karl Heinz Bohrer konzentriert sich bei seiner Interpretation der griechischen Tragödien deshalb auf ästhetische Fragen. Aus dieser Perspektive werden Verbindungslinien sichtbar, die aus dem antiken Griechenland und der Welt der Polis in die Moderne führen. Die Ästhetik des Schreckens sorgt dafür, dass uns das attische Theater nicht zur Ruhe kommen lässt.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Karl Heinz Bohrer: "Das Tragische - Erscheinung, Pathos, Klage" - Leseprobe
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.06.2009
Michael Jeismann schätzt Karl-Heinz Bohrer für seinen "bösen Blick" und den unerschrockenen Ästhetizismus, mit denen er die "ängstlich-behäbige Bundesrepublik" zu verachten und provozieren pflegte. Jeismann zufolge scheint Bohrer ein Ende der optimistisch-hedonistische Grundstimmung im Land zu spüren und damit einem neuen Zugang zum Tragischen die Möglichkeit eröffnet. In seinem Buch macht er sich an eine "Systematik des tragischen Phänomens", das er als "theatralischen Exzess der Emotion" begreift, nicht gattungs- und nicht zeitgebunden. Für Bohrer habe nach Jeismanns Darstellung das Tragische keinen Sinn und keine Vernunft, es sei nur "Überwältigung und Erscheinung" und deshalb genau der richtige Ausdruck der Moderne, dieser "Tragödie in Permanenz".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.05.2009
Ungeheuer erscheint Johan Schloemann der Furor des Autors gegen Deutungen der Tragödie, die auf Politik, Moral, Dialog und Räsonnement bei den antiken Dichtern abzielen. Teleologie, Sinnstiftung? Fehlanzeige, meint Schloemann. Stattdessen sucht Karl-Heinz Bohrer den Schrecken in all seinen sprachlichen Erscheinungsformen, bei Euripides, Aischylos und Sophokles. Für Schloemann gleicht das einer Missachtung wesentlicher Elemente der attischen Tragödie, die sich für ihn auch darin äußert, dass der Autor sein Buch nur zur Hälfte den Tragikern widmet. Die andere Hälfte beschäftigt sich mit Baudelaire, dem Meister des schönen Schreckens. Das von Bohrer durchaus "pointiert", wie es heißt, vorgeschlagene Bündnis über die Gattungsgrenzen hinweg, behagt Schloemann nicht sehr. So faszinierend und erhellend es ihm auch erscheint, so einseitig gegen die harmonisierende Lesart der jüngeren Altertumswissenschaft kommt es ihm auch vor, wenn Bohrer dem "Ödipus" das aufklärerische Potential ab- und ein Angst und Schrecken verbreitendes zuspricht. Dass Bohrer dabei die Handlung wenig interessiert, und er sich allzu sehr auf den Chor konzentriert, nimmt der Erkenntnistauglichkeit des Bandes viel, bedauert Schloemann. Eine ausgewogene Stückedeutung stellt er sich anders vor.
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