Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Als Lenas Großvater kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das Schiff nach Buenos Aires besteigt, fährt er dem Abenteuer entgegen, auf der Suche nach einer neuen Welt, die ihm nicht so müde und verbraucht erscheint wie das alte, verstörte Europa. Doch ein hartnäckiger Heuschnupfen zwingt ihn schon bald, seinen Traum vom freien Leben als Gaucho zu begraben. Stattdessen begegnet er der Kunst des Tangos und jener der Liebe. Zwei Jahre später kehrt er dennoch wieder zurück in sein Heimatland und an die Seite von Amelie, die unbeirrt auf ihn gewartet hat. Die Erinnerung an seine Zeit in der Fremde, die ihn zum Argentinier gemacht hat, hütet der Schweizer wie einen Schatz und erst nach seinem Tod lüftet sich das Geheimnis.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2009
Klaus Merz' Novelle "Der Argentinier" hat Katharina Buess ausgesprochen gern gelesen, und manche Passagen weisen in ihren Augen eine derart pointierte und "schlichte Schönheit" auf, dass es schade ist, dass sie nicht länger währen. Die "unerhörte Begebenheit", die zu den Gattungsmerkmalen der Novelle gehört, ist auch in diesem Text zu finden, wichtiger aber sei für die Geschichte die Schilderung des alltäglichen Lebens als das eigentlich Besondere, erklärt die Rezensentin. Zentrale Figur ist der Schweizer Johann Zeiter, der nach Argentinien auswandert, aber bereits nach zwei Jahren aus Heimweh und Sehnsucht nach seiner Geliebten Amelie wieder zurückkehrt und Lehrer wird, lässt uns Buess wissen. Aus Erzählungen und Anekdoten der Enkelin nach seinem Tod erhält der Leser Einblick in das Leben des Großvaters und so rundet sich die Novelle nicht nur zu einer Geschichte über Heim- und Fernweh, zu einer Liebesgeschichte und einer vielschichtigen Biografie, sondern auch zu einer Reflexion über "die Funktion des Erzählens", so die Rezensentin sehr angetan.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2009
In der Geschichte vom heimgekehrten Großvater, seiner Rückverwandlung vom argentinischen Gaucho zum eidgenössischen Kleinbürger, erkennt Sabine Doering etwas zutiefst Helvetisches. Befürchtungen, die kleine Novelle von Klaus Merz könnte trockenes Lesefutter sein, zerstreut sie, indem sie die Subtilität der Andeutungen und den Zauber des Konjunktivs feiert, mit dem der Autor geschickt hantiert. Für Doering gewinnen der Text und seine durchaus schwergewichtigen philosophischen Weisheiten auf die Weise an Leichtigkeit. So zum Beispiel Merz' Plädoyer für das Fiktionale. Gleichfalls entkrampfend wirken laut Rezensentin des Autors "sanfte Ironie" und seine weitgehende Enthaltsamkeit betreffend zivilisationskritische Merksätze.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2009
Geradezu bezaubert scheint Roman Bucheli von der schwebenden Leichtigkeit der Novelle "Der Argentinier" von Klaus Merz. Die Geschichte eines Lehrers, der nach Argentinien auswandert, von wo er nach wenigen Jahren aus Heimweh zurückkehrt, dann aber zeitlebens von der Sehnsucht nach der Ferne heimgesucht wird, schildert der Schweizer Autor keineswegs gradlinig oder chronologisch, stellt der Rezensent fest. Eine Enkelin des "Argentiniers" berichtet seine Geschichte einem ehemaligen Klassenkameraden, der sie nun wiedergibt, erklärt Bucheli, für den nicht zuletzt diese umständliche Erzählperspektive den Reiz des Buches ausmacht. Da allerdings gerade die "sprachliche Verdichtung" ein Grundzug des Merz'schen Schreibens ist, findet Bucheli die mitunter verwendeten Floskeln, die falschen Konjunktive, bei denen sich der Rezensent nicht ganz sicher ist, ob sie mit Absicht verwendet wurden, und einen gewissen "nörglerischen Kulturpessimismus", den er seinen Figuren in den Mund legt, besonders störend. Trotzdem soll das nur ein kleiner Einwand sein bei einem Buch, das er als "bewegende Hommage an das Leben in und aus der Möglichkeitsform" lobt.
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