Aus dem Englischen von Thomas Brückner. "Die Stunde der Zeichen" erzählt von der britischen Eroberung des Sudans Ende des 19. Jahrhunderts. Das Buch verwandelt die beiden Protagonisten des Konflikts, den islamischen Führer Mohammed Ahmed, genannt Mahdi, und den englischen General Gordon in symbolische Figuren. Die Hauptpersonen sind Bauern, Hirten oder einfache Soldaten, aus deren Perspektive als Landesbewohner oder als Vertreter der Kolonialmacht der Aufstand beschrieben wird.
Ein historischer Roman, der zur Zeit der dschihadistischen Bewegung um den Mahdi im Sudan der 70er Jahre spielt. Der Mahdi selbst hat allerdings nur einen kurzen Auftritt, die sehr viel präsenteren Helden sind der britische Offizier Ellesworth und der gelehrte Dschihadist Hawi, anhand von deren Schicksalen Jamal Mahjoub von den verwickelten Auseinandersetzungen zwischen ägyptischer Staats-, britischer Kolonialmacht und den Kämpfern fürs Gottesreich erzählt. Und wie er das macht, das gefällt dem Rezensenten Andreas Fanizadeh ausgesprochen gut. Die wichtigste Lektion erkennt er im Scheitern einer Aufstandsbewegung, die nach dem ersten Sieg in Khartoum selbst autoritär und verbrecherisch wurde. Die Verweise auf die Gegenwart sind zwar unübersehbar, aber keineswegs aufdringlich, stellt er erfreut fest. Und außerdem sei das ohnehin alles so spannend, dass man das Buch "nicht mehr aus der Hand legen mag".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2008
Martin Zähringer ist von diesem historischen Roman des in London geborenen, im Sudan aufgewachsenen und heute in Barcelona lebenden Jamal Mahjoub über ein wichtiges Kapitel in der Vorgeschichte des Sudans höchst angetan. Der Autor erzählt darin die Geschichte des Muhammad Achmad ibn as-Sayyid Abdallah, der als Mahdi Ende des 19. Jahrhunderts einen Aufstand gegen die britisch-ägyptische Besetzung anführte und die islamische Republik Omdurman gründete, fasst der Rezensent zusammen. Hauptquell der Rezensentenbegeisterung ist die mehrfache Perspektive, aus der heraus der Autor erzählt und genauso sudanesische wie britische und ägyptische Protagonisten berichten und so lebendig werden lässt. So würden wechselseitige "Blindheit" gegenüber der jeweils anderen Kultur und die Begrenztheit der "Wahrnehmungsmöglichkeiten" der Parteien eindrücklich dargestellt, lobt der Rezensent. Zähringer preist den Roman als großartiges "Korrektiv konkurrierender Mythen" und findet gar, dass die vielfach gebrochene Perspektive, die in den einzelnen Episoden zum Ausdruck kommt, das "einzig mögliche" literarische Verfahren darstellt, um einer komplexen historischen Situation gerecht zu werden.
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