Gedichte sind notwendige Träume, sagt Günter Herburger, ohne sie könne er nicht leben, auch nicht längere Bücher schreiben. Voraussetzung dafür seien Wissen, Geduld, Spiellust und Zorn. Der neugierige Blick, gepaart mit perfider Beobachtungsgabe und den Horizonten der Erinnerungen, findet Bilder, die als Katalysatoren der Sprache wirken. Im Bündnis von Alltag und Weltgeschichte, Natur, Phantasie und Wissenschaft gelingen Herburger Gedichte, die das Leben mit dem Tod vereinen und trotz Schrecken sich auch vor Leichtigkeit verneigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2008
Nico Bleutge steht zwar vielen Gedichten in Günter Herburgers neuem Lyrikband etwas verständnislos gegenüber, ist aber im Großen und Ganzen angetan von dieser Zusammenstellung. In den Gedichten werden bekannte Dinge entfremdet, wie zum Beispiel Störche, die wie Wassertropfen vom Himmel regnen. Das sei typisch für den Lyriker, meint Bleutge. Er vermische Wirkliches mit Phantastischem und überlässt den Leser seinem eigenen Staunen. Charakteristisch dabei sei, dass Herburger nicht nur surreale Bilder aneinanderreiht, sondern mit ganz klassischen Mitteln wie dem konventionellen Satzbau oder der Beschreibung spielt und hier kleine Einzelheiten verändert, aus dem Kontext rückt. In Bleutges Augen werde so dem Leser subtil vermittelt, dass die Welt gar nicht anders sein sollte. Der Ton der Gedichte wechsele jedoch ständig, Glück und Angst folgen einander augenblicklich. Für Bleutge hat das Rauf und Runter dazu geführt, dass er nicht immer Zugang zu den Gedichten finden konnte. Doch Irritation, so führt er fort, habe ja auch etwas Produktives, und er lobt den Band schließlich als "vergnügliche" Erfahrung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2008
Das Gegenteil von "lyrischem Gesäusel" scheinen Rezensent Jörg Drews die Gedichte von Günter Herburger. Sie haben für ihn etwas Irritierendes, Beängstigendes, arbeiten sich ab am jämmerlichen Zustand der Welt, ohne je weinerlich zu sein. Am ehesten findet er die Grundhaltung dieser Gedichte von Grimmigkeit, von Unbarmherzigkeit und auch von Trauer geprägt. Bei vielen Gedichten des Bands vermutet er Zeitungsmeldungen als Hintergrund, ähnlich wie bei Kleist und Hebel, wobei er hervorhebt, dass Herburger noch "beunruhigender" von "verstörenden Anekdoten und freakigen Katastrophen" ausgeht.
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