Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Julia Schoch. Der Viehwaggon aus dem Jahr 1953 berichtet von der Zeit gleich nach dem Krieg, in Paris. Der Erzähler, den die Kriegsjahre mit einer "Krankheit des Blicks" geschlagen haben, sieht zu klar. Er sieht, was mit den Menschen in seinem Viertel los ist, die sich nach der Befreiung geschäftig neu einrichten und um ein Mahnmal zu Ehren des Widerstands streiten: Welche Resistancegruppe kann die meisten Toten verbuchen? Und die Toten der anderen - waren sie wirklich Widerstandskämpfer? Wütend, müde, nicht ohne finsteren Humor schaut der Erzähler zu. Nach eigenen Aktivitäten gefragt, schützt er Arbeit an einem Roman vor - dessen Titel: Der Viehwaggon.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2007
Vergessene Autoren, meint Jochen Schimmang, werden ja mit schöner Regelmäßigkeit ausgegraben und wiederentdeckt. Selten aber sei ein wirklicher Fund darunter - wie in diesem Fall. In Frankreich gibt es immerhin eine Gesellschaft der Leser des Georges Hyvernaud, der unmittelbar nach dem Krieg bei wenigen, Sartre etwa, Anerkennung fand, den Durchbruch zu größerer Bekanntheit aber in seiner Heimat nie schaffte und bei uns völlig unbekannt blieb. So hörte er nach zwei Romanen mit dem Schreiben auf. Was ein großer Verlust ist, wenn man dem Rezensenten glauben darf, der den "Viehwaggon" mit Sartres "Ekel" vergleicht, nur dass Hyvernaud im Vergleich unzweifelhaft "der größere Stilist" sei. Es geht im Roman um die Erinnerung an den Widerstand und um den Streit darum, ohne jede Beschönigung. Wie überhaupt diesem Buch nicht nur ein Held, sondern alles Positive fehle - eben darum liest es sich, so Schimmang, heute so grandios. Und eben darum habe es zu seiner Entstehungszeit wohl so wenig Anklang gefunden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2007
Mit großer Freude begrüßt Rezensent Thomas Laux die Tatsache, dass es nun endlich ein Werk des französischen Schriftstellers Georges Hyvernaud (1902-1983) in deutscher Sprache zu entdecken gibt - ein aus seiner Sicht längst überfälliges Vergnügen. Denn dessen schmales Werk handele von den "längst noch nicht überwundenen Ängsten des 20. Jahrhunderts". Dabei gehöre es zu den großen Stärken dieses Romans, der vor dem Hintergrund von Kollaboration und Resistance spielt, dass darin trotz seines "eigentlich sehr gravitätischen" Themas die amüsanten Szenen überwiegen. Es geht um die durch Krieg und deutsche Besatzung durcheinander gewirbelte "moralische Geografie", durchexerziert an einem etwas zweifelhaften Helden. Doch nach Ansicht des Rezensenten interessiert sich dieser Autor nicht so sehr fürs Individuelle, sondern vor allem für das "nie hinterfragte, bourgeoise Comme il faut", das Denken der Masse, für das ihm ein Viehwaggon die ideale Metapher zu sein scheint. Allerdings gibt uns Laux kaum Stoff, seine Thesen zum Buch zu verifizieren, eine Handlungsskizze zum Beispiel. Deshalb muss man das Buch wohl selber lesen.
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