Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Französischen von Petra Willim. Mit journalistischer Professionalität hat sich Laure Adler der Herausforderung gestellt, Fiktion und Wirklichkeit im Leben der französischen Bestsellerautorin auseinander zu halten. Dabei macht sie auch vor den heiklen Fragen nicht Halt: Welcher Gewalt war Marguerite Duras innerhalb ihrer Familie ausgesetzt? War die Geschichte mit dem Liebhaber eine Art versteckter Prostitution? Hat die Duras während der Okkupation mit den Deutschen kollaboriert? Hat sie sich in der Resistance an Folterhandlungen beteiligt? Weshalb wurde sie nach dem Krieg aus der KPF ausgeschlossen? Und nicht zuletzt: Wie sah ihr Verhältnis zu den Lebenspartnern aus? Als erster Biografin war Laure Adler der gesamte Nachlass zugänglich. Recherchen u. a. im Parteiarchiv der KPF sowie zahlreiche Gespräche, die sie mit der Autorin selbst wie auch mit vielen ihrer Weggefährten geführt hat, bringen unvermutete Wahrheiten zu Tage.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2001
Bernd Mattheus geht in einer umfangreichen Rezension zunächst ausführlich auf den Lebensweg Maguerite Duras` ein, bevor er am Ende in einigen wenigen Zeilen auf die Qualitäten der vorliegenden Biografie zu sprechen kommt. Das kurze Fazit fällt dabei recht positiv aus: So stellt das Werk Laure Adlers für den Rezensenten "zweifellos (...) bis auf weiteres das Referenzwerk" zu Duras dar, auch wenn er einräumt, dass es Adler trotz aller Akribie nicht wirklich gelungen ist, "diese chaotisch anmutende Vita schlüssig zu deuten". Dennoch würde Mattheus diesen Band eindeutig Frederique Lebellys Buch von 1996 vorziehen, was offenbar vor allem daran liegt, dass Adler das Privatarchiv Duras` für ihre Recherche zur Verfügung stand. Dass Adler insgesamt "acht mühselige Jahre" an dieser Biografie gearbeitet hat, ist - wie Mattheus lobend anmerkt - diesem Buch nicht anzumerken.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2000
Thomas Laux ist begeistert von dieser Biografie, die Licht in die biografischen Wirrnisse eines Schriftstellerlebens bringt, das öffentlich zelebriert wurde. Da gilt es zu unterschieden, meint Laux, zwischen gelebtem und erzähltem Leben, und gerade diese Differenzierung sei der Autorin Laure Adler, die Duras in den 80er Jahren noch interviewen konnte, gelungen. Duras` Geschick war es, zitiert Laux die Biografin: `Lügen glaubhaft zu machen`. Duras verstrickte sich insbesondere in der Zeit der deutschen Besatzung in Widersprüche: ähnlich wie der verstorbene Ex-Präsident Mitterand unterhielt sie sowohl Kontakte mit Widerständlern, arbeitete aber zugleich als "kleine Angestellte" im Kolonialministerium, schrieb 1940 ein halbwegs rassistisches Pamphlet zur Verteidigung der Kolonien und kannte keine Scheu, im deutsch kontrollierten Verlagswesen ihre ersten Bücher zu lancieren. Laux lobt die "kritische Würdigung", die Duras mit dieser Biografie widerfährt: einfühlsam, wachsam und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Über Duras heißt es bei Laux jedenfalls: "Regelrecht besessen war sie eigentlich nur von zwei Dingen: Sex und Geld."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Böse Worte! `Fettleibigkeit`, schreibt Hannelore Schlaffer, sei das `Erkennungsmerkmal` eines Genres, das sie `Biografie zu Lebzeiten` nennt. Und das, obwohl die Betreffende vor ein paar Jahren bereits das Zeitliche gesegnet hat. Wodurch zeichnet sich eine `Biografie zu Lebzeiten` aus - außer durch Fettleibigkeit? `Esprit, Witz, Präzision sind Feinde der Bewunderung`, schimpft Schlaffer, weshalb die Biografin in ihrem Bemühen der Verklärung zu breiter Form auflaufe. Die Rezensentin sieht sich durch das Vorwort auf die falsche Fährte gelockt, das `mehr Objektivität` in der Darstellung eines legendenumwobenen Lebens versprochen hatte. Die Enttäuschung ist groß; Laure Adler macht laut Schlaffer nichts anderes als die Biografen vor ihr, den `Lebensgehalt` der Durasschen Literatur zu bestätigen: die böse Mutter, den chinesischen Liebhaber usw. Im Fall von `Der Schmerz`, wo Adler tatsächlich ein handgeschriebenes Manuskript im Nachlass fand, kostet das die Autorin Verrenkungen: die Liebesgeschichte nämlich fehlt, auf die sie dennoch laut Schlaffer für ihre Biografie zurückgreift.
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