Der griechische Philosoph Plethon, der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Mistra (Peloponnes) lebte, hat versucht, dem vom Untergang bedrohten Byzantinischen Reich neues Leben einzuhauchen: mit sehr pragmatischen Reformvorschlägen zur Finanzverfassung und zur Wirtschaftsordnung sowie mit einer philosophischen Grundlegung der Politik, welche das menschliche Streben nach dem Glück von jeder Offenbarungsreligion abkoppelte und ihm selber eine rationale Religiosität zusprach. Die ebenso realistische wie auch rigorose Ausrichtung von Plethons politischem Denken könnte uns in der gegenwärtigen Lage, in der alle Orientierungen offensichtlich ins Wanken geraten, einen Anstoß liefern, unsere Lebensformen im Lichte konsistenten Wünschens zu überdenken - das heißt überhaupt zu denken. Mit hier erstmals auf deutsch zugänglich gemachten Texten von Plethon (übersetzt von Wilhelm Blum und Gudrun Schandl) sowie mit Beiträgen von Irini Athanassakis, Paul Richard Blum, Wilhelm Blum, Lambros Couloubaritsis, Osvaldo Romberg, Walter Seitter, Juan Signes Codoner, Brigitte Tambrun-Krasker.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2007
Bitte mehr davon!, heißt die einzige Kritik von Rezensent Dieter Borchmeyer, um dann zu einer langen Lobeshymne auf Plethon auszuholen und seiner geistigen Ahnherrnschaft für alle neuheidnischen Monotheismusgegner von Goethe bis Martin Walser. So legendär sei Plethon zu Lebzeiten unter den italienischen Humanisten gewesen, dass eine Armee aufgestellt wurde, um sein Grab von Griechenland nach Rimini zu verlegen, wo Plethon bis heute ruhe. Ein anderes Zeichen seiner außergewöhnlichen Bedeutung und Ausstrahlung kann man dem Rezensenten zufolge in dem Besuch von Kaiser Johannes VIII. in der griechischen Stadt Mistra sehen, wo Plethon als Häretiker im Exil weit weg von Konstantinopel leben musste. Aber nicht nur in der frühen Neuzeit sei Plethon als Monotheismuskritiker verbannt worden, körperlich und mit seinen Werken, nein, bis heute würde neuheidnisches Denken auf "empfindliche Reaktionen" stoßen. Um so begrüßenswerter sei es, wenn nun sein Werk, und sei es vorerst auch nur in Ausschnitten, gleichsam wie sein Grab vor dem Vergessen gerettet würde. Den Herausgebern sei für diese "verdienstvolle Pionierleistung" zu danken, die angesichts eines grassierenden monotheistischen Fundamentalismus aller Orten von erschreckender Aktualität sei.
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