Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Harald Ehrhardt. Die Eroberung des Byzantinischen Reiches jährt sich 2003 zum 550. Mal. Am Morgen des 29. Mai 1453 blies der osmanische Sultan Mehmed II. zum Sturm: Konstantinopel wurde zu Istanbul. Damit endete ein gutes Jahrtausend byzantinischer Geschichte, doch Byzanz hinterließ ein reiches Erbe. Monumentale Bauwerke, Mosaiken und Fresken zeugen noch heute von der Ausstrahlungskraft einer Kultur, die an der Schnittstelle von islamischer Welt und christlichem Okzident Europa geprägt hat. Der große englische Byzantinist John Haldon präsentiert uns in seinem lebendig geschriebenen und von tiefer Sachkenntnis geprägten Buch die bewegte Geschichte der Byzantiner und führt uns die Kräfte vor Augen, die ihren Kosmos bestimmt haben: antike Tradition, orthodoxe Kirche, Kaisertum.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2003
Rezensentin Franziska Meier schwirrt ganz schön der Kopf von all den Daten, die John Haldon in seiner Geschichte des byzantinischen Reiches anhäuft. Zu ihrem Bedauern bleibt dem Leser das "merkwürdig fremde" christliche Kaiserreich in der Darstellung Haldons dann auch wirklich fremd. Davon abgesehen hat Meier auch sonst einiges zu kritisieren. Bei der Frage nach dem Verhältnis von politisch-militärischer und religiöser Geschichte etwa wirke Haldons "gedrängte Abfolge" von Siegen, Niederlagen und theologischen Debatten über die Natur des Gottessohnes "recht grotesk". Unklar bleibt für Meier bei Haldon auch, inwiefern Byzanz "Bollwerk des Christentums gegen den Islam" und damit eher westlich war, oder ob es in Politik, Religion, Frömmigkeit und Mentalität nicht doch eher "orientalische" Züge trug. Parallelen zwischen Bagdad und Byzanz lasse Haldon unerwähnt. Alles in allem gehe es Haldon vor allem darum zusammenzutragen, was gewesen sei, resümiert die Rezensentin, "und das ist in Byzanz offenbar noch mehr als anderswo: Unordnung und Widersinn."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2003
Ein elegantes, ideenreiches Buch, staunt Marie Theres Fögen, das sich gleich in den ersten beiden Kapiteln der politischen Geschichte entledigt, um sich dann wohlgemut der "Welt der Byzantiner" zuwenden zu können. Diese Welt wurde maßgeblich, referiert Fögen, durch Klima, Geografie und "Verfügbarkeit beziehungsweise Abwesenheit" von Ressourcen bestimmt. Mit einer Mischung aus Montesquieu und Marx gelänge es Haldon überzeugend, schreibt die Rezensentin, die byzantinische Wirtschaft, Bürokratie und sogar das Militär zu beschreiben. Etwas "zahnlos" wirke dieser Zugriff bei den kulturellen Phänomenen; dennoch seien Haldons Beschreibungen der sozialen Netze und Hierarchien differenziert und anschaulich. Völlig chaotisch sei dann das Schlusskapitel, seufzt Fögen etwas irritiert, das eine wilde postmoderne Mischung von Miniaturessays bereit hält, die sich um "Modelle der Repräsentation" oder "Sprache und Literatur" und ähnliches drehen. Auf der letzten Textseite erscheine das Wort "komplex" fünf Mal, hat Fögen nachgezählt: für sie ein "Zeichen einer Kapitulation vor Komplexität". Dennoch ist Fögen ein wilder Galopp querfeldein allemal lieber als ein braver historiografischer Ritt von Kriegerdenkmal zu Kaiserstätte, wie ihn etwa Ralph-Johannes Lilies mit seinem Werk "Das byzantinische Reich" getätigt habe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2003
Der Klappentext verspricht, hier werde "Byzanz in neuem Licht" präsentiert. Das Buch könne das nicht halten, meint der Rezensent Hartwin Brandt, aber nicht der Autor, nur der Werbetext nehme hier den Mund zu voll. Haldons Absicht nämlich war es, "bestimmte Aspekte" der Geschichte von Byzanz noch einmal gründlich zu betrachten. So interessiert ihn insbesondere die Frage, "wie der byzantinische Staat in der Realität funktionierte" und wie er mit der Gesellschaft verknüpft war. Zentrale Erkenntnisse liegen in der Beschreibung von Byzanz als Transformationen unterliegender Fortsetzung der antiken Gesellschaft, auch in der Betonung des sehr - und oft verhängnisvoll - engen Verhältnisses von Staat und Kirche. Vom etwas "trockenen" ersten Teil, der die Ereignisgeschichte des byzantinischen Jahrtausends zusammenfasst, abgesehen, hat der Rezensent gegen das Buch keine Einwände. Der Autor erweise sich als "gelehrt" und in jeder Hinsicht "auf neuestem Forschungsstand."
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