Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Die in diesem Band versammelten Gedichte und Zeichnungen entstanden im Spätsommer 2006 in Dänemark. Sie sind Günter Grass? künstlerische Reaktion auf die Mediendebatte rund um das Erscheinen seines Erinnerungsbuchs "Beim Häuten der Zwiebel".
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.03.2007
Warum hat bloß niemand Günter Grass dieses Buch ausgeredet? frag Rezensentin Verena Auffermann bestürzt. Denn Grass hat aus ihrer Sicht mit diesem "luxuriös ausgestatteten Werk" das Buch eines "störrischen, trotzigen, tief gekränkten Mannes" abgeliefert. Und zwar auch noch in der Maske des dummen August, und die stehe Grass leider gar nicht gut. Nicht nur die Zeichnungen ("der zornige Günter mit brennenden Augen und wehendem Schnauzer") scheinen hier gelegentlich unfreiwillige Selbst-Karikaturen zu sein. Auch die "Wutergüsse" von Gedichten, aus denen der Rezensentin in jeder Strophe Grass' verwundetes Ego oder wüste Beschuldigungen entgegen springen, verstören die sonst eher wohl gesonnene Rezensentin sehr. Besonders, weil Grass die Schuld an seinem Sturz vom Nationaldenkmalssockel den anderen gibt. Kein Nachdenken über sein langes Schweigen über die SS-Mitgliedschaft. Keine Einsicht, nicht einmal eine minimale, sondern nur die "Larmoyanz des Schlaflosen".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2007
In "Dummer August" macht Günter Grass all seinem Frust Luft, der sich nach seinem Geständnis, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, und den darauffolgenden entsetzten Reaktionen bei ihm angestaut hat. Arno Widmann ist sichtlich irritiert über die Vorwürfe, die Grass hier erhebt, und stellt klar, dass niemand, und schon gar nicht "aus dem Gewerbe der Niedertracht" ihn "aufs Podest, gezimmert aus Lügen" gestellt hat. Günter Grass sei ganz allein in der Waffen-SS gewesen, habe ganz allein erst darüber geschwiegen und sich schließlich entschlossen, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Schlimm genug, stöhnt Arno Widmann daher, dass Grass, der Täter, ein Opfer sein will. Noch schlimmer ist für den Rezensenten aber, dass Grass dies in solch ungeheuer schlechten Gedichten tut. Wenn er doch wenigsten all seiner "Aggression, seiner Wut und seinem Hass" freien Lauf gelassen hätte! Doch statt dessen bremst er sich selbst im Sinne der politischen Korrektheit. So zeigt sich hier, seufzt Widmann, allein das kraftlose "Selbstmitleid einer beleidigten Leberwurst".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2007
Dies Buch hätte Edo Reents lieber nicht gelesen. Der Aufregung vom vergangenen August fügt Günter Grass mit seinen Gedichten nur ein weiteres Ärgernis hinzu, findet er. Abgesehen von der Gattungsbezeichnung, die Reents nicht einleuchtet, liegt das an der Art des "Liedchens", das Grass anstimmt: Harmlos bis plump. Dem Kritiker treibt es regelrecht die Tränen in die Augen, wenn Grass wiederum die Zwiebelmetapher bemüht, um mit "wehleidiger Selbstgerechtigkeit" seinen Standpunkt zu verteidigen, wie der Rezensent moniert. Wenn schon Gefühle, meint Reents, dann doch bitte die der SS-Opfer, die Grass in seinen Augen ein zweites Mal verletzt, indem er ihnen sein persönliches Bedauern vorenthält. "Ungereimt" kommt Reents noch manch anderes vor in diesem Buch. Aber die an sich starke Unterstellung, Grass wisse nicht, was er eigentlich sagen wolle, lässt den Rezensenten kühl abschließen, dass diesem Autor "doch nicht mehr beizukommen" sei. Ende der Kritik.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








