Bücherschau der Woche
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Klappentext
Den letzten weißen Fleck im Atlas der Erde zu beschreiben, die höchstwahrscheinlich letzte noch unerforschte Region dieser Welt zu bereisen, das ist hier keine literarische Fiktion. Zusammen mit einer wissenschaftlichen Expedition hat Raoul Schrott sich in diesen faszinierendsten und entlegensten aller Orte im Länderdreieck von Tschad, Sudan und Libyen aufgemacht. Bei Haymon legt er nun das literarische Logbuch dieser Reise vor, die von der Millionenstadt Ndjamena über das Ennedi, eine der schönsten Landschaften dieser Erde, in das Feindland der Erdis führte und schließlich zum letzten Außenposten der Zivilisation vor dem Nichts: dem verlassenen Fremdenlegionärsfort Agoza. Es ist dies ein Bericht über unvorstellbare Armut, humanitäre Katastrophen und politische Putschversuche, den ungleichen Handel zwischen Europa und Afrika, aber auch die Erzählung einer Reise ins Nirgendwo, zu einer Mitte der Welt und zum eigenen Selbst. Durch Fotos von Hans Jakobi und Archivdokumente zu einem Dialog mit Bildern erweitert, ist "Die Fünfte Welt" ein poetisches Manifest über die Rätselhaftigkeit alles Entlegenen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2007
Nicht erwärmen kann sich Rezensent Jakob Strobel Y Serra für Raoul Schrotts Bericht über seine in Begleitung einer wissenschaftlichen Expedition unternommenen Erkundung des angeblich "letzten weißen Flecks" auf der Landkarte, der Wüstenei im Grenzgebiet von Tschad, Sudan und Libyen. Allenfalls die Beschreibung von Tschads trostloser Hauptstadt N'Djamena hält er für einigermaßen treffend. Vor allem nervt ihn Schrotts "Attitüde des Weltenentdeckers", wo er sich in Strobels Augen doch eher wie ein Tourist im Abenteuerurlaub aufführt. Besonders ärgert er sich über die Beschimpfung von Entwicklungshelfern als Spendengeldverprasser sowie die ohne jeden Beweis aufgestellte Behauptung, den Völkermord in Darfur habe es nie gegeben. Schlimm findet er zudem den "pathetischen Ton der Arroganz", den Schrott anschlägt. Auch in Sachen Spannung kann das Werk für ihn nicht punkten, hat ihn die Lektüre des Buch kaum gefesselt. Und den abgedruckten Schwarzweißfotos attestiert er Schülerzeitungsqualität.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2007
Mit gemischten Gefühlen beschreibt Rezensent Christoph Siemes seine Begegnung mit Raoul Schrotts Reise durch den Tschad und den Sudan nach Syrien. Zunächst irritiert dieser Autor ihn mit der These, den Völkermord von Darfur habe es nicht gegeben, vielmehr beruhe alles, was darüber kursiere, auf Medienkolportage. Doch strafmildernd räumt der Rezensent dann ein, dass es Schrott gelungen sei, die totale Fremde dieses Kontinents und die beklemmende Monotonie der Wüste physisch spürbar zu machen und so tatsächlich in seinem Buch eine Gegend zu erschließen, die gemeinhin zu den weißen Flecken auf der Karte zähle.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2007
"Bei Raul Schrott gibt es immer eine Hoffnung", stellt Arno Widmann fest und berichtet von der Schönheit der Lektüre über eine Reise in die Wüste Erdis, die der Dichter mit einer wissenschaftlichen Expedition angetreten hat. So wie Raoul Schrott es verstehe, die zwischen Tschad, Sudan und Libyen gelegene Wüste, die einmal Ozean war, zu beschreiben, bleibt auch dem Leser noch ein Funken Hoffnung, dass das vom Darfur-Konflikt betroffene Gebiet und die dort lebenden Stämme einmal friedliche Zeiten erleben werden. Dabei gehe der Autor im Allgemeinen ganz unsentimental vor, schaffe Verständnis für die komplexen Zusammenhänge, arbeite sich aber auch an längst vergangenen literarischen Vorbildern, wie der Schilderung einer Wüstendurchquerung im Gilgamesch-Epos ab, ebenso wie an der steinalten Naturgeschichte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2007
Alex Rühle weiß nicht, soll er sich ärgern oder soll er lachen. Raoul Schrotts Reisebericht vom "allerletzten weißen Fleck" der Erde provoziert bei ihm zumindest die Frage, warum dieser Autor eigentlich so penetrant den Hochmut schultern und sich als "Reinhold Messner der Literatur" aufführen muss. Schrotts "rekordsüchtiges Raunen" von den Rändern der Zivilisation findet er, genau wie seine Einschätzungen über Entwicklungshilfe und Darfur (nach der "Meldungen eines Genozids vor allem eins sind: Kolportage"), eher abstoßend. Dennoch kämpft sich Rühle tapfer durch den bildungshubernden Text hin zu einer kleinen Oase: "30 Seiten im Zentrum der Sahara", die er als "prägnantes Expeditionsnotat" durchgehen lässt.
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