Jeffrey Burton Russell

Biografie des Teufels

Das radikal Böse und die Macht des Guten in der Welt
Cover: Biografie des Teufels
Böhlau Verlag, Wien 2000
ISBN 9783205991311
Gebunden, 284 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Marie-Therese Pitner und Susanne Grabmayr. Teufel, Satan, Luzifer, Mephistopheles - im Lauf der Geschichte hat der Fürst der Finsternis, das mächtige Symbol für das Böse, viele Namen und Formen angenommen. In diesem Buch zeichnet Jeffrey Burton Russell die bemerkenswerte Geschichte des Teufels von der Antike bis zur Gegenwart nach. Er schildert uns, wie vergangene Generationen dem Bösen eine Persönlichkeit verliehen haben, wie Menschen mit dem immerwährenden Problem des radikalen Bösen umgegangen sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2000

Einen "sachkundigen Kurzführer durch die Unterwelt des Bösen" hat der in Santa Barbara lehrende Religionswissenschaftler vorgelegt, schreibt Wolfgang Sofsky. Mit großer Ausführlichkeit ist hier dargestellt, in welcher Gestalt und zu welchem Zweck der "Meister der Verwandlung" sich den Menschen nähert und sie Böses tun lässt; Russell beschreibe, wie Bibel, Scholastiker, Mystiker und Reformatoren den Teufel sahen, und wie die "Diabologie" argumentieren musste, um trotz der Verabsolutierung des Bösen weiterhin "Gott als Herrscher des Universums" aufrechtzuerhalten und dennoch behaupten zu können, der "Teufel regiert die Welt". Trotz aller Sachkunde, mit der dies ausgebreitet wird, erhebt Sofsky jedoch Einwände: er kritisiert, dass neben ein paar kurzen Bemerkungen zu islamischen, alt-iranischen und phönizischen Teufeleien nur christliche Auffassungen und Bilder des Bösen diskutiert werden. Schlimmer noch scheint ihm der immer wieder ausbrechende "persönliche Bekennermut" des Autors, der nicht müde wird, einer dem Materialismus und "aufgeklärtem Ungeist" verhafteten Welt vorzuhalten, dass sie nicht mehr an das Böse glaubt. Und schließlich führt der Rezensent noch die volkstümlichen Komödien des Mittelalters ins Feld, in denen sich das Volk gern über den "bocksbeinigen Gesellen" lustig machte, um zu sagen: wem der Satan eine so "ernste Angelegenheit" ist wie diesem Autor der übersieht so mancherlei himmlische Späße.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2000

Wolfgang Koydl stellt in seiner Rezension zunächst klar, dass es sich bei dem Autor um eine "weltweit führende Koryphäe" in Sachen Teufelsforschung handelt, der nun mit dem vorliegenden Band den Versuch unternommen hat, vier andere von ihm verfasste Bände zu einem auch für Laien verständlichen Buch zu bearbeiten. Allerdings findet der Rezensent, dass diese Laien schon über eine ziemlich überdurchschnittliche Allgemeinbildung verfügen müssen, um bestimmte Sätze, für die er auch ein Beispiel anführt, zu verstehen. Trotzdem gefällt ihm das Buch. Russell nehme den Leser "mit auf einen Parforceritt durch dreitausend Jahre europäische Geistes-, Religions-, Philosophie-, und Kulturgeschichte", bei dem natürlich auch viel Literatur zum Thema Teufel, Dämonen, Inferno etc. herangezogen wird. Wirklich verärgert zeigt sich Koydl lediglich über das Layout, weil die "überbreiten Zeilen" für die Augen unnötig ermüdend seien.

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