Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Mit dieser Autobiografie seiner Kindheit und Jugend gewährt Joachim Fest erstmals umfassenden Einblick in sein unmittelbares Erleben der dunklen Jahre. Ob er das katholische Elternhaus im Berliner Vorort Karlshorst schildert, das frühe Berufsverbot des Vaters, den eigenen Schulverweis - ob "Tante Dollys" Einführungen in die Opernwelt Berlins oder die Lebensklugheiten des großen Bruders, die Lektüre während des Wehrdienstes oder den siebentägigen Fluchtversuch aus amerikanischer Gefangenschaft in einer Holzkiste: es sind die Angaben zur eigenen Person eines geborenen Beobachters.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2007
Rezensent Martin Meyer liest die Erinnerungen von Joachim Fest als eine Art Ergänzung seiner berühmten Hitler-Biografie. Erst mit dieser "Parallelaktion" werde im Rückblick auch Fests lebenslange Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus verständlich. Als Reverenz an den Vater, der aus dem Krieg zwar als gebrochener Mann zurückgekommen sei, aber der nationalsozialistischen Ideologie kein Jota nachgegeben habe. In den Erinnerungen, lobt der Rezensent, kämen die schriftstellerischen Qualitäten der Hitler-Biografie wieder zum Tragen, die Balance von Unbedeutendem und Wichtigem sowie Fests Sinn für Atmosphärisches bei gleichzeitigem "Scharfsinn", was symbolische Handlungen betreffe. Als sehr "klug" bewertet der Rezensent auch, dass der Autor seine Erinnerungen nicht nach späteren Einsichten geordnet habe. So könnten beispielsweise die Besuche des Jugendlichen bei seinem Onkel auf dem Bauernhof als kurze romantische Idyllen erscheinen, wo doch der Weltkrieg im vollen Gange war. Bemerkenswert findet der Rezensent auch die zwei Abendtische der Familie Fest, der zweite mit den älteren Söhnen und dem Vater, wo dieser gewissermaßen Luft ablassen konnte. Die bis in die Nacht gehenden "Exkurse" des Vaters seien für Joachim Fest prägend für sein freiheitliches und zugleich bürgerliches Selbstverständnis gewesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2006
Peter Michalzik spart nicht mit Lob über das Buch und seinen Autor. Joachim Fests Erinnerungen hält er für das präziseste Buch über die NS-Zeit, das je geschrieben wurde. Das "andere" gerade erschienene Erinnerungsbuch, schreibt er, wirke dagegen "historisch stumpf". Zugleich versteht Michalzik die Verbitterung des Autors über Grass nach dieser Lektüre viel besser. Was macht das Buch so übergroß? Neben dem Vater- und Familienporträt (der "Schlüssel" zu Fests Leben und Werk), der Entfaltung eines "emphatischen" Bildungsbegriffs und der Offenheit des Textes auch den Folgen von Armut und Ausgrenzung während der NS-Zeit gegenüber erkennt Michalzik zwar auch den ein oder anderen "blinden Fleck". Die Authentizität des Ganzen jedoch erscheint ihm zweifellos. So allumfassend und diskret wie es ist, hält er das Buch für ein angemessenes Vermächtnis Joachim Fests.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.09.2006
Rezensent Robert Leicht ist sehr beeindruckt von dieser Autobiografie, die aus seiner Sicht auch ein Erziehungsroman ist. Hauptfigur erscheint ihm aber weniger der Autor selbst zu sein, sondern der Vater, dessen Moral und Widerstandskraft gegen die Naziideologie den Rezensenten tief bewegt. Faszinierend liest sich für Leicht auch, wie die Haltung des Vaters einen Immunisierungsprozess gegen den Nationalsozialismus auch bei den Kindern bewirkt. Er wünscht sich, Günter Grass hätte dieses Buch gelesen, bevor er seinen Generalverdacht gegen den katholischen Adenauer-Mief formulierte. Denn im von Fest beschriebenen "katholisch-preussisch-republikanisch-bildungsbürgerlichen Mikromilieu" erkennt Leicht gerade das Gegenteil, nämlich den Humus für eine antitotalitäre Gesinnung. Auch macht ihm das Buch deutlich, wie es kam, dass Fest Hitlers Biograf geworden ist. Einspruch erhebt Leicht nur gegen den Titel des Buches, der nach eingehender semantischer Analyse für ihn nämlich genau das Gegenteil dessen bedeutet, wofür er in Anspruch genommen wird. Auch bezweifelt der Rezensent, dass Joachim Fest sich das "Er nicht" des Vaters so umstandslos als "Ich nicht" aneignen kann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.09.2006
Als "bewegendes und leider verzweifelt isoliertes Gegenbild zur kaputten deutschen Normalität" rühmt Gustav Seibt die Memoiren Joachim Fests. Im Gegensatz zu dem "moralischen Kaspar Hauser" habe Fest das Glück, in seinen Erinnerungen auf eine ungebrochene und intensiv erlebte Bildungswelt wie auf eine moralisch intakte Familie zurückgreifen zu können. Die stolze Maxime des Titels - das gebrochene Treuegelöbnis des Petrus gegenüber Jesus auf dem Ölberg: "Etiamsi omnes - ego non" - hält Seibt zwar nicht für unproblematisch, glaubt aber durchaus darin das Gesetz des Lebens zu erkennen, das Joachim Fest von seinem Vater mit auf den Weg gegeben wurde. Dieser Vater ist der Held des Buches, und Seibt verweigert ihm in seiner Besprechung auch nicht die Bewunderung - einem Schuldirektor, der nicht den kleinsten Kompromiss mit den Nazis eingehen wollte und bereits wenige Monate nach ihrer Machtübernahme aus dem Staatsdienst entlassen wurde. Katholisch, preußisch, bürgerlich und vor allem republikanisch sei dieser Mann gewesen, der seinen Söhnen auch den Unterschied zwischen Tugend und Moralisieren mit auf den Weg gegeben habe. "Schlackenlos", "gläsern" und "warm", notiert Seibt weiter, beschreibe Fest die Geschichte seiner Familie, den Tod des Bruders, die Verschleppung des Vaters durch die Rote Armee, aber auch seine eigene Bildungsgeschichte. Seibts Fazit: "Es ist das wichtigste und überraschendste Buch, das Fest seit seiner Hitler-Biografie von 1973 vorgelegt hat."
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








