Bücherschau der Woche
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Norbert Bolz
Die Helden der Familie
Klappentext
Bolz höchst engagiertes Plädoyer für die Familie richtet sich gleich gegen mehrere Gegner: Gegen einen Fürsorgestaat, der die Familie ersetzen will, gegen einen neuen Hedonismus unter der Marke der "Selbstverwirklichung", gegen eine als Political Correctness getarnte Kinderfeindlichkeit der Methusalem-Apologeten und der feministischen Karrierefetischisten.Wir leben in einem Zeitalter kalter Kriege. Kalter Krieg herrscht zwischen Männern und Frauen, zwischen Alten und Jungen. Kalter Krieg herrscht zwischen Eltern und Kinderlosen, zwischen berufstätigen Frauen und Hausfrauen. Kalter Krieg herrscht zwischen Familien und Staat. Bekanntlich ist dies auch ein Zeitalter des radikalen, begründungsunbedürftigen, zu nichts verpflichtenden Individualismus. Man sieht im Verhältnis von Mann und Frau eine Unterscheidung als ob nicht. Man führt Ehen als ob nicht. Und man hat Kinder, als hätte man sie nicht.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.08.2006
Wenn Norbert Bolz "reaktionäre" Thesen vertrete, sei das eine Sache, meint Rezensent Oliver Müller, wenn er sie auf plattestem Fernsehniveau ohne jede Differenzierung vortrage, jedoch etwas anderes und die eigentlich "erschreckende" Botschaft. Die Form dieser chauvinistischen Suada mit geschickt integrierter Selbstinszenierung müsse insbesondere allen Medienfachleuten Jammer und Schauder einflößen. Denn inhaltlich, so der Rezensent, habe Norbert Bolz nichts Neues zu bieten. Seine groben Thesen würden auf einem Fünfziger-Jahre-Ideal von der liebenden Ehefrau am Herd beruhen. Leider, wird Rezensent Oliver Müller aber auch klar, bestehe die Gefahr, dass heftige Kritik den Autor nur in seinem Wahn, von lauter Feinden umgeben zu sein, bestärken werde, mitten im Untergang des Abendlandes selbstredend.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.05.2006
Oje, die Rezensentin hört da einen spezifischen Ton heraus. Dass es dabei nicht um einen Wohlklang geht, wird rasch klar in Susanne Mayers Besprechung. Das dünne Buch, das Norbert Bolz da über die Familie geschrieben haben will, für Mayer ist es eher ein Buch über Mütter und Kinder aus der Perspektive der "akademischen Männerhorde". Die Kampfschrift gegen den Verfall der Familie nimmt die Rezensentin dem Autor nicht ab: "Nostalgie von gestern" ist hier am Werk, meint sie und führt die männlichen "Mitdiskutanten" wie Freud und Oswald Spengler, Kant und Horkheimer auf. Will heißen: Zur Frau spricht das nicht. Da könne Bolz noch so viele schöne Dinge sagen über die Familie, am Schluss sieht Mayer den Autor nur noch als "Jäger ohne Revier". Und empfiehlt stattdessen den siebten Familienbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Dieser 550-Seiten-Wälzer, so Mayer, stehe im Leben, bei aller wissenschaftlichen Fundiertheit. Und es gibt ihn umsonst unter www.bmfsfj.de/Kategorien/Forschungsnetz/forschungsberichte.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.05.2006
Auf den ersten Blick könnte man Norbert Bolz in die übliche konservativ-bürgerliche Schublade wie Frank Schirrmacher oder Udo di Fabio stecken, meint Jan Feddersen, entdeckt aber dann doch eine ihn beunruhigende neue Qualität. Bolz führe die "Misere der westlichen Welt" auf das in den vergangenen Jahrzehnten erfolgte Aufbrechen des biologisch determinierten, also natürlichen patriarchalen Verhältnisses von Mann und Frau zurück. Diesen Fokus auf das Biologische kennt Feddersen "in dieser Krassheit" bisher nur von "pietistischen Broschüren", die man am Rande von Kirchentagen auflesen kann". Einst sei Bolz ein "liberaler Intellektueller" gewesen, schreibt Feddersen. Das scheint sich für ihn jetzt erledigt zu haben. Außerdem widerspricht er Bolz in dessen "monochrom" positiver Schilderung der fünfziger Jahre. Schon damals, so der Rezensent, sei die alte Rollenverteilung längst in der Auflösung begriffen gewesen.
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