Bücher der Saison
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Klappentext
Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Buruma und Margalit definieren "Okzidentalismus" als den blinden Hass gegen die Errungenschaften liberaler Gesellschaften, für dessen Motive manch westliche Intellektuelle bis heute Sympathie empfinden. Die Vorurteile gegen den Westen, der unter der Diktatur des Geldes steht und scheinbar jegliche verbindliche Moral seiner Diesseitigkeit geopfert hat, reichen bis nach Europa. Ian Buruma und Avishai Margalit finden hier ähnliche Denkweisen wie in der islamischen Welt, bei konservativen Kulturkritikern ebenso wie bei der radikalen Linken. Ein provokatives Buch, in bester aufklärerischer Tradition.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.04.2005
Zwar erscheint Robert Misik manche These in Ian Burumas und Avishai Margalits Essay "Okzidentalismus" überzogen. Dennoch hält er ihre Ausführungen insgesamt für überaus aufschlussreich, vor allem den Versuch, den Islamismus in eine größere, historische Perspektive des "Hasses auf den Westen" zu stellen. Buruma, und Margalit argumentierten, dass der Islamismus den Hass auf den Westen - und damit die Feindseligkeit gegen Rationalismus, gegen den angeblichen Krämergeist, die Wurzellosigkeit der Stadt, gegen die Seelenlosigkeit des Agnostikers - mit historischen Erweckungsbewegungen, aber auch mit der deutschen Romantik, mit japanischen Antiwestlern und slawophilen Volkstümlern, Maos Bauernkommunismus und mit gewissen Spielarten der Globalisierungskritik gemein habe. "Mehr als lesenswert" findet Misik dabei die Kapitel über die okzidentale Stadt, den Hass auf die Metropole, deren Künstlichkeit, die babylonische Tempelhure und den Krieg gegen die Stadt, sowie jenes über Helden und Händler. Fraglich erscheint ihm indes, ob wirklich jeder, der Branding, Kommerzialisierung und Big-Brother-TV ablehnt, deshalb gleich in einer Geistestradition steht, die von Herder über Heidegger bis Mao und Osama bin Laden reicht. Trotzdem sieht er gerade darin eine Stärke der Autoren, dass sie kein Problem damit haben, auch einmal zu weit zu gehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005
Sollten Ian Buruma und Avishai Margalit mit ihren Ausführungen über den Westen aus der Sicht seiner Feinde Recht haben, besteht nach Herfried Münkler Grund zur Besorgnis. Die Abneigung, die Verachtung und der Hass, die dem Westen in weiten Teilen der Welt heute entgegenschlagen, so Münkler, sehen die Autoren vor allem in der westlichen Kultur und Lebensweise begründet. Die Vorstellungswelt, aus der sich diese Feindseligkeit gegen über dem Westen speist, haben Buruma und Margalit nach Auskunft des Rezensenten unter dem in Ahnlehnung an Edward Saids Begriff Orientalismus gebildeten Oberbegriff Okzidentalismus rekonstruiert. In den Augen der Okzidentalisten sei der Westen oberflächlich, materialistisch, zügellos, sie identifizierten ihn mit Götzendienst, Kommerz, Libertinage, Gottlosigkeit. Münkler fragt, ob der Okzidentalismus eine ideologische Mischung ist, die bei den Feinden des Westen tatsächlich in dieser Form anzutreffen ist, oder ob es sich dabei um eine Kompilation von Versatzstücken handelt, die Buruma und Margalit bei einzelnen Autoren gefunden und in eine in sich geschlossenen Vorstellungswelt amalgamiert haben. Er plädiert eher für die zweite Variante, da sich bei keinem der angegebenen Autoren sämtliche Züge des Okzidentalismus fänden. "Man muss hoffen, dass sich Buruma und Margalit irren", schreibt er diesbezüglich. "Aber sicher sein kann man sich dabei nicht."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005
Hilal Sezgin spart bei ihrer Rezension des Buches von Ian Buruma und Avishai Margalit nicht mit harscher Kritik. Die Autoren haben ihren Essay "Okzidentalismus" als Gegenstück zu Edward Saids Schrift "Orientalismus" konzipiert und untersuchen die allgemeine "Verdachtshaltung" gegenüber des Westens, erklärt die Rezensentin. Sie seien weder die ersten, die diesen Begriff prägen noch die ersten, die sich daran machen, ihn zu untersuchen, womit darin schon mal kein "Coup" mehr zu "verbuchen" sei, so Sezgin unbeeindruckt. Die "Raffinesse" der These aber liege darin, und hier bringt Sezgin ihr einziges Lob zu diesem Buch an, dass der Verdacht und die Ablehnung gegenüber dem Westen ihren Ursprung nicht im Orient haben, sondern in der europäischen Romantik ihren "Vorläufer" fand. Dann aber wird die Rezensentin schnell wieder streng. Sie ärgert sich, dass Buruma und Margalit mit "fantastischen Plattitüden" aufwarten. Obwohl sie immerhin darauf verzichten, dem islamischen Osten die "alleinige Schuld für den gefährlichen Hass" gegen den Westen zuzuschieben, können sie es sich dennoch nicht verkneifen, ein "ultimatives Bedrohungsszenario" für den Okzident zu zeichnen. Die Rezensentin ist entsetzt, welche Vorurteile die Autoren kultivieren und meint, dass beispielsweise bei der Beschreibung eines afghanischen Führers "seit Karl May" niemand derart viele "Klischees" in "zwei Sätze" gepackt habe. Dieses Buch sei daneben "schludrig" geschrieben und, was das Fazit des Schlusskapitels betrifft, wenig ergiebig, urteilt eine jetzt schon spürbar verärgerte Sezgin. Die Rezensentin kann nur den Kopf darüber schütteln, dass die Autoren sich mit dem Titel ihres Buches zwar zu dem "eminent politischen" Text Saids in Beziehung setzen, diesem dann aber nur eine "vage Skizze" gegenüber stellen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2005
Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Mark Siemons von Ian Burumas und Avishai Margalits Buch "Okzidentalismus", das den Westen "in den Augen seiner Feinde" zeigen will und dazu die antikolonialistischen Stereotype vom "Westen" versammelt. Einleuchtend scheint Siemons zwar die Hauptthese des Buches, der derzeitige Kampf des Islamismus gegen den Westen habe eine Geschichte und einen Zusammenhang, deren Ursprünge im Westen selbst liegen. Bedauerlich findet er aber, dass die Autoren diesen Zusammenhang weder analysieren noch historisch herleiten, sondern sich damit begnügen, die einschlägigen, vom Hass auf den Westen beseelten Vorurteile, schlicht aneinander zu reihen. Die antiwestlichen Vourteile japanischer Kamikazepiloten im Zweiten Weltkrieg, russischer Slawophiler aus dem neunzehnten Jahrhundert, deutscher Nazis und arabischer Islamisten gingen so nahtlos ineinander über, ohne dass klar würde, wie das eine mit dem anderen zusammenhänge. Siemons bemängelt zudem, dass die Autoren in der von ihnen kritisierten Dichotomie Westen-Nichtwesten gefangen bleiben. Dass eine der größten Stärken des Westens in seiner Fähigkeit zur Selbstkritik liege, in seinem Vermögen, sich von außen zu sehen, bleibe außer Betracht. "Anstatt die Vereinbarkeit der universalistischen Werte des Westens mit nichtwestlichen Kulturen hervorzuheben", moniert Siemons, "wird im Horizont des Islamismus alles verdächtig gemacht, was jemals an der westlichen Kultur kritisiert wurde". Erst das letzte Kapitel, das die Widersprüchlichkeit des Westens selbst andeute, verdeutliche, dass die meisten totalitären Muster, die gegen ihn in Stellung gebracht werden, aus seinem eigenen Reservoir stammen.
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