Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Ludwig Ammann (Hrsg.), Nilüfer Göle (Hrsg.)
Islam in Sicht
Der Auftritt von Muslimen im öffentlichen Raum
Klappentext
Das "Coming-out" der Muslime im öffentlichen Raum, das ungewohnte Sichtbarwerden von Religion im säkularen Staat erregt Aufsehen. "Islam in Sicht" erhellt anhand von Fallstudien junger Forscher aus der Türkei, Iran und Europa, wie heutige islamische Bewegungen mit eigenen Cafes und Romanen, Filmen und Wanderpredigern an die Öffentlichkeit treten, Frauen mit Kopftüchern Alltagspolitik betreiben und die iranische Jugend auf der Straße gegen die Tugenddiktatur aufbegehrt. Einführende Essays der Herausgeber streiten mit Hannah Arendt für eine über Habermas hinausgehende Theorie der Öffentlichkeit und Privatheit, die auch islamischen Verhältnissen gerecht wird, Beiträge von Shmuel N. Eisenstadt und Charles Taylor runden den Band ab.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.05.2005
Ein "aufregendes Buch" sieht Elisabeth Kiderlen in diesem Band über die allmähliche Ausbildung eines emanzipierten Islamismus, den die Soziologie-Professorin Nilüfer Göle und der Islamwissenschaftlers Ludwig Ammann herausgegeben haben. Die Beiträge zeigten, so Kiderlen, "wie Glaube und Moderne im Zeichen des Islamismus zusammenfinden können und daraus etwas Neues entstehen kann, jenseits von Fundamentalismus und Terrorismus". Angetan zeigt sie sich insbesondere von der "fulminanten Einleitung" Göles, die darauf aufmerksam macht, dass der Westen die Muslime immer als "vormoderne Subjekte" betrachtet habe. Kiderlen vergleicht den Prozess der persönlichen Selbstfindung und kollektiven Orientierung über den Islam mit den Prozessen, wie ihn die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA oder die Frauenbewegung im Westen durchlaufen haben. Deutlich wird ihrer Erachtens auch ein selbstbewusster Umgang junger islamischer Eliten mit den Herausforderungen der Moderne.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2005
Aufschlussreich findet Moritz Behrendt diesen von Nilüfer Göle und Ludwig Ammann herausgegebenen Sammelband über Muslime im öffentlichen Raum. Wie Behrendt berichtet, verfolgt der Band einen kulturwissenschaftlichen Ansatz, der sich darin äußert, dass sich die Untersuchungen auf nichtdiskursive Strategien der "Öffentlichkeitsarbeit" beschränken. So würden neue islamische Cafes in Istanbul be- und untersucht, die Bewegung der Tabligh-Wanderprediger in Frankreich unter die Lupe genommen, das Zurschautragen des Kopftuchs analysiert. Göle sehe in diesen Phänomenen Kennzeichen einer zweiten Phase des Islamismus, in der für Jugendliche und Intellektuelle die islamisch-kulturelle Orientierung bedeutender geworden sei als der politische Standpunkt. Wie sich diese Gruppen öffentliche Räume aneignen, werde in den Beiträgen "vortrefflich" analysiert. Dagegen trage der Band wenig zur Klarheit bei, wenn es um die Berührungspunkte mit dem politischen Islam oder die Abgrenzungen von ihm gehe. Die Formen der islamischen Religiosität im öffentlichen Raum in ihrer Vielfältigkeit und in ihren Nuancen zu verstehen und zu erklären, hält Behrendt für den "großen Verdienst" des Bandes.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.02.2005
Wie falsch die Ansicht ist, dass der Westen die Moderne und der islamische Osten die Rückständigkeit gepachtet hat, das hat sich in Kreisen der Wissenschaft inzwischen herumgesprochen. Die vorliegende Sammelband belegt diese Erkenntnis nun mit ausführlichen Untersuchungen, so Rezensent Alexander Flores. Bei den Studien zum Iran und der Türkei - also einem islamischen Gottesstaat und einem laizistischen Staat islamischer Prägung - zeige sich in beiden Fällen, dass der praktizierte Islam stets schon eine Reaktion auf die westliche Moderne entweder darstellt oder zum Widerstand gegen einen konservativen Islam umgedeutet werden kann. Besonders eindrücklich, meint Flores, wird dies bei der Studie zu den Freiheitsräumen der Frau im Iran: Der offiziellen Unterdrückung stünden hier durchaus Emanzipationsfortschritte im Vergleich zu den Zeiten des Schah-Regimes gegenüber. Wie schwierig und kompliziert die Deutung des Kopftuchs im Kampf islamischer Frauen in der europäischen Diaspora in Wahrheit ist, wird zudem ein weiteres Mal belegt. Der Rezensent lobt den Band für die "sehr anregenden Reflexionen", die er bietet.
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