Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Französischen von Joachim Unseld. Ein junger Mann, der, merkwürdig genug, von sich sagt, "noch 27, bald 29 Jahre alt" zu sein, beschließt, künftig sein Leben in der Badewanne zu verbringen. Er will ein abstraktes Leben führen, unabgelenkt sein, warum, das verrät er nicht. Er liest Bücher, geht eigenen Gedanken nach. Ein Ich in Isolation, das registriert, was um es herum passiert. Da ist Edmondsson, seine Frau, die in einer Kunstgalerie arbeitet; da gibt es zwei Polen, Kunstmaler eigentlich, die für billig Geld die Küche streichen sollen. Ein Freund der Familie schaut vorbei, die besorgte Mutter kommt ihn besuchen. Dann aber eines Tages, fast überstürzt und ohne Gepäck, verlässt er sein Badezimmer, verlässt Paris, nimmt einen Zug, der ihn nach Venedig in ein Hotelzimmer bringt, das er nur selten verlässt. Dort spielt er Dart. Und er ist auf der Suche nach einem Tennisplatz. Als Jean-Philippe Toussaint 1985 in Frankreich "Das Badezimmer" veröffentlichte, seinen inzwischen berühmten Traktat über Bewegung und Stillstand, über den Sinn menschlichen Handelns und den Tod, rüttelte das die damals eintönig gewordene französische Romanlandschaft auf.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.01.2005
Die Welt ein Rätsel ohne Sinn und alles Tun ist irrational und Selbstbetrug - klassische Motive der Moderne, hält Ulrich Rüdenauer fest, um den todessehnsüchtigen Helden zu beschreiben, einen "Oblomow unserer Tage", der umotiviert Dinge tut, Reisen unternimmt, seinen Rückzug in die Badewanne beschließt, den Regen beobachtet und sich schließlich aus der Wanne wieder erhebt - doch ebenso unmotiviert, schreibt Rüdenauer. "Die Dinge des Lebens geschehen, und sie geschehen ganz ohne Kontur." Der Held hat sich Gleichgültigkeit und Galgenhumor verordnet. Das Buch ist zwanzig Jahre alt, es war Toussaints Romandebüt. Und es hat, so der Rezensent, kaum etwas von seiner provozierend berechnenden Rätselhaftigkeit und sprachlichen Suggestionskraft verloren", zumal es "in angemessener Kühle (und Komik!)" von Joachim Unseld neu übersetzt wurde. Eine gute Sache!
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2005
Über eine neue Übersetzung von Jean-Philippe Toussaints Erstlingsroman "Das Badezimmer" freut sich Rezensent Hans-Peter Kunisch. Nach Jürgen Hoch hat sich nun Joachim Unseld des "skurrilen" Werks angenommen und zwar durchaus mit Erfolg. Unseld modernisiere die Sprache Hochs, ohne dass die Lesbarkeit der Geschichte verändert werde. Toussaint erzählt darin von einem jungen Mann, der sein Leben wahlweise in seinem Badezimmer oder in venezianischen Hotels verbringt und erklärt so dem Leser, dass man den "Zumutungen des Lebens nie entkommt", auch wenn man für manches Dilemma einen Ausweg weiß. All dies habe Toussaint in einem solch schön "verspielt-verschnörkelten" Französsisch geschrieben, dass das Buch "nicht einfach" ins Deutsche zu übersetzen sei. Vor dem direkten Vergleich des französischen Originals mit den deutschen Interpretationen warnt denn auch der Kritiker: Bei literarischen Übersetzungen kann es immer nur um "Annäherungen ans Original" gehen, darum, möglichst viele "optimale Entsprechungen" zu treffen. Joachim Unseld ist dies gelungen.
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