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Klappentext
Aus dem Französischen von Uli Aumüller. Die junge Tiffany wird mit ihren Eltern in das Dschungeldorf Ouregano verschlagen. Ouregano, das ist ein verlorenes Nest irgendwo in Zentralafrika, eine Kolonie kurz nach dem Indochinakrieg. Tiffanys Familie - der Vater, ein Militärarzt, der an diesen abenteuerlichen Ort versetzt wurde, weil er sich in der Heimat geweigert hatte, Zivilisten zu pflegen - gerät in eine Schicksalsgemeinschaft besonderer Art. Da gibt es die weiße Herrenklasse: den lächerlich majestätischen Statthalter Dubois, den nicht weniger aufgeblasenen Richter Bonenfant und dessen erzkatholische Gattin, den renitenten Lehrer Albert Refons, den Mörder Beretti. Sie alle langweilen sich zu Tode an diesem Ort ohne Zerstreuung, man schafft sich "Kultur".
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.06.2000
Den ältesten und den jüngsten Roman der französischen Goncourt-Preisträgerin Paule Constant, die jetzt beide zeitgleich auf Deutsch erschienen sind, bespricht Alexandra Kedvec mit viel Verve, wobei sie zu dem Schluss kommt, daß Constant für ihren exotischen Erstling "Ouregano" durchaus den renommierten Literaturpreis verdient hätte, den sie nun für ihr jüngstes Buch "Vertrauen gegen Vertrauen" (mit dem sie Michel Houllebecqs "Ausweitung der Kampfzone überrundete) eher ungerechtfertigterweise erhalten hat.
1) "Vertrauen gegen Vertrauen"
Es fallen wunderbare Formulierungen in dieser eher ablehnenden Besprechung, die vermuten lassen, dass Paule Constants Frauen-Campusroman mit seinem Hang ins Satirische durchaus anregende Wirkung auf die Rezensentin gehabt haben muss. Da ist von "Schnittmusterkatastrophen" der vier gealterten Feministinnen die Rede, die, das gesteht Alexandra Kedvec zu, teilweise "mit feinem Stich ausgeführt worden sind" oder "schöner, sich am Rand der Satire zu verträumten Arabesken kringeln". Dennoch ist Kedvec die Geschichte von Gloria, Babette,Lola und Aurore, die aus wechselnden Perspektiven und in verschiedenen Zeitebenen berichtet wird, zu dürftig, schwankend zwischen Sozialkitsch und Zynismus. Die Autorin kann anders, kann es besser, weiß die Rezensentin, und bedauert, daß Constant nicht beim Sinnlichen und Exotischen geblieben ist, wie sie es in ihrem Debütroman "Ouregano" unter Beweis gestellt hat.
2) "Ouregano"
Dieser Roman der 1944 geborenen Autorin, die heute in Aix-en-Provence Literatur lehrt und selbst in Afrika gelebt hat, wie Alexandra Kedvec zu berichten weiß, ist bereits vor 20 Jahren entstanden. "Ouregano" - Ein beliebiger Ort, ein blinder Fleck auf der Landkarte Kolonialfrankreichs, dessen Leben Constant kaleidoskopartig aus den Augen seiner Bewohner schildert und zusammensetzt. Das ergibt lauter "böse Geschichten" entlang von Rassismus und Langeweile, die Kedvec deswegen so gefallen, weil sie trotz ihrer sinnlichen Sprache und dem exotischen Flair nichts "Tränenfeuchtes darin glitzern, nichts Treuherziges darin lächeln" lassen. Ein Erstlingsroman, meint die Rezensentin, dem der Wille zum Entlarven zwar anzumerken ist, der aber dennoch nuancenreich und lebendig ist.
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