Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling. David Grossman erzählt von der Liebe, von Schauls Eifersucht über den Geliebten seiner Frau Elisheva und von der Schriftstellerin Rotem, die ihrer Mutter Liebesentzug vorwirft. Dabei erfahren wir immer wieder von Augenblicken größter Nähe und tiefster Einsamkeit der Protagonisten: Geschichten voller geheimer Träume und Obsessionen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2005
Der Rezensent Carsten Hueck ist sehr beeindruckt, wie der israelische Publizist und Schriftsteller David Grossmann in diesen zwei Novellen private, intime Themen wie ans Psychopathische grenzende Eifersucht (in der ersten Novelle) beziehungsweise die Entfremdung und folgende Annäherung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter (in der zweiten Geschichte) in den Mittelpunkt stellt und wie ihm trotzdem ein politisches Statement gelingt. Auch wenn der politische engagierte Autor den Konflikt in seiner Heimat mit keinem Wort erwähnt, zeigt er mit seinen eindrücklichen beiden Novellen doch: "Wir brauchen den Anderen - und sei es, um uns selbst besser zu verstehen. Ein dialogisches Prinzip, konstituierend für die jüdische Kultur seit ihren Anfängen, durchzieht beide Novellen." Auf der vordergründigen Ebene sind die Geschichten einfach gute Literatur, im Subtext eine beeindruckende "psychopathologische Untersuchung mit Mitteln der Literatur". Hueck fasst kurz und knapp zusammen, was die Geschichten ausmacht: "Bizarr, subtil und mitreißend".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2004
Dass es sich bei David Grossmanns Buch das "Gedächtnis der Haut" um einen Roman handeln soll, hält Meike Fessmann zwar für einen "kleinen Etikettenschwindel", den sie dem Verlag aber nicht weiter krumm nimmt. Denn das Buch des israelischen Schriftstellers, das in Wahrheit zwei eigenständige Geschichten bietet, hat ihr außerordentlich gefallen. Wie sie berichtet, kommen sich in beiden Novellen, die thematische und strukturelle Ähnlichkeiten aufweisen ohne direkt aufeinander bezogen zu sein, zwei Personen, die sich hassen oder zumindest nicht leiden können, durch die Vermittlung einer Geschichte nahe. Ausführlich erzählt sie den Inhalt der beiden Novellen nach. Besonders fasziniert zeigt sie sich von Grossmans "ausgeklügelter und zugleich sinnlicher Sprache für das Intime". Auch wenn es nahe liegen mag, die beiden Novellen allegorisch zu lesen - die Rezensentin rät, dies nicht zu tun. Schließlich erzähle das Buch von Menschen, nicht von Staaten. "Und doch", hält sie abschließend fest, "hat die literarische Genauigkeit dieses Autors, seine Übertragungsfreude und dialogische Lust, mit der jüdischen Kultur und Geschichte zu tun".
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