Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
In seinem neuen "Echolot" rekonstruiert Walter Kempowski aus Tagebüchern und Briefen, aus politischen Dokumenten und Berichten minutiös die Ereignisse der Wochen vom 12. Januar bis zum 14. Februar 1945: Die letzte Offensive der Roten Armee, Flucht und Vertreibung, die KZ-Todesmärsche, die Bombennächte. Täter und Opfer, prominente Zeitzeugen kommen dabei zu Wort, vor allem aber viele Unbekannte, die hier wieder zum Leben erweckt werden.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2005
Mit diesem Band kommt Walter Kempowskis gewaltige "found footage"-Chronik des Zweiten Weltkriegs zum Abschluss. Vier Tage hat er ausgewählt, deren Geschehnisse sich in den Aufzeichnungen einer unüberschaubaren Vielzahl von Menschen spiegeln. Weniger als zuvor lässt sich, stellt der Rezensent Wolfgang Schneider fest, nun gegen Ende des Krieges etwas wie ein Überblick herstellen. Die Stimmen sprechen durcheinander, nichts als "gurgelndes Chaos". Schneider lässt keinen Zweifel daran, dass das kein Fehler, sondern eine Tugend der Auswahl wie des Arrangements ist. Umschwünge sind natürlich dennoch festzustellen: Kaum regimekritische Töne vor dem "Untergang", danach aber gilt, zitiert wird Erich Kästner: "Die Unschuld grassiert wie die Pest." Etwas verblüfft zeigt sich der Rezensent davon, dass vom SS-Mann zum russischen Soldaten alle es immerzu gut zu meinen scheinen. Aber auch dies ist eine der wertvollen Lektionen, die das Buch erteilt, das - so Kempowski im Begleitband "Culpa" - "Fakten, Gesinnungen, Gefühle überliefert, die heute absolut indiskutabel sind".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.1999
Fritz J. Raddatz widmet der neuen Folge von Walter Kempowskis gigantischer Tagebuch-Anthologie aus dem Zweiten Weltkrieg den Aufmacher der "Zeit"-Literaturbeilage von November. Er zeigt sich überwältigt und schildert die vier Bände als "Deutschlands Höllenfahrt", "Pandämonium" und "historische Eigernordwand". Ausführlich schreibt er über Kempowskis "Schnittechnik" und Inszenierung des Materials, die eine atemlose Teilnahme am Geschehen erlaube. Deutsche Verblendung noch in der Apokalypse werde ebenso gezeigt wie russische Grausamkeit, ohne dass je in Zweifel stehe, wer die ursprünglichen Schuldigen seien. Am Ende aber hat Raddatz auch einen Einwand: "Addierter Schock hat keine Schockwirkung mehr". Raddatz beklagt Kempowskis Sammelwut, eine Überfülle des Präsentierten, die den Leser zu erschlagen drohe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Uwe Pralle will sich nicht dem Verdacht aussetzen, die "Fuga Furiosa`` vorschnell zu verurteilen. So gibt er sich Mühe, diesem zweiten "Echolot`` auch Gutes abzugewinnen. Er sieht in diesem "kollektiven Tagebuch`` von Kempowski tatsächlich "höchst aufschlussreiche`` Dokumente aus den beiden Monaten Januar und Februar 1945 zusammengetragen und in einer nie dagewesenen Form "episch verdichtet``. Doch für Pralle ist die deutsche Wirklichkeit in diesem zweiten Echolot verzerrt dargestellt. Es behandelt die beiden Monaten des letzten Kriegsjahres, in denen zum einen die russische Armee erstmals die damaligen Reichsgrenzen überquerte und die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen und Oberschlesien auslöste, und in denen zum anderen die Alliierten die Stadt Dresden mit ihren Flächenbombardements völlig zerstörten. Doch anders als in Kempowskis erstem Echolot kommen neben individuellen Quellen auch offizielle vor: Agenturmeldungen, Wehrmachtsberichte und Auszüge aus dem Rundfunkprogramm, die den Querschnitt dieser Zeit vervollständigen sollen, es aber thematisch nicht tun. Diverse Bereiche der deutschen Wirklichkeit sieht Pralle ausgespart: "Wenn man in diesem Echolot nach Zeugnissen sucht, die etwas über die Welt der Täter dokumentieren, so wird man leer ausgehen.`` Es entsteht der Anschein, so Pralle, als habe man in diesem beiden Monaten "in Ostpreußen oder Dresden die Opfer eines an den Deutschen begangenen Holocaust zu beklagen``.
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