Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Gert Ledig

Vergeltung

Roman

Cover: Vergeltung

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN-10 3518410644
ISBN-13 9783518410646
gebunden, 198 Seiten, 16,36 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Das Horrorszenario eines alliierten Luftangriffs auf eine deutsche Stadt im Juli 1944, verdichtet auf den Zeitraum einer Stunde, ein atemloses Durch- und Nebeneinander: Ein Vater scheitert auf der Suche nach seinen Kindern, im selben Moment wird eine junge Frau mit einem wildfremden Mann verschüttet. Gerd Ledigs Roman "Vergeltung" erschien 1956 zum ersten Mal. Das Buch hatte beträchtlichen Erfolg, wurde dann aber vergessen. Ledig erinnert den Krieg zu einer Zeit, als Heinrich Böll, Wolfgang Koeppen oder Günter Grass längst die bundesrepublikanische Wirklichkeit zeichnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.02.2000

Uwe Pralles Rezension, die ein Porträt Gerd Ledigs einschließt, ist bitter: Er nimmt immer noch übel, dass "Vergeltung" bei seinem Erscheinen 1956 von den "Studienräten des Wirtschaftswunder-Feuilletons" verrissen wurde. Die Herren von "Welt", "Tagesspiegel", "Zeit" und "Rheinischem Merkur" hätten wohl sofort gewittert, dass Ledigs harte "Körpersprache der Gewalt" die "Kriegsheimkehrer-Schauerromantik à la Wolfgang Borchert gründlich desavouierte". Schade, dass Pralle nicht erwähnt, wie die Besprechung in der Frankfurter Rundschau war. Sehr anschaulich beschreibt der Rezensent wie Ledig knapp und präzise die "körperlich-affektiven Reflexe auf die hereingebrochene Gewalt" darstellt - eine Erfahrung, die elf Jahre nach Kriegsende noch unmittelbar in den Körpern der Leser steckte. Dass Suhrkamp den Roman jetzt neu herausbringt, ist Pralle zum Schluss kein Lob wert - denn wo sind "Die Stalinorgel" und "Faustrecht", die anderen beiden Romane Ledigs?

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999

Jochen Hörisch bespricht in einer Sammelrezension drei Bücher, die die Schrecken der Bombennächte während des Zweiten Weltkriegs zum Thema haben. Dabei geht der Rezensent besonders der Frage nach, inwieweit dieses Thema literaturfähig ist und welche Versuche es gibt, dem Grauen dieser Nächte Ausdruck zu verleihen.
1) Gert Ledig: "Vergeltung" (Suhrkamp-Verlag).
"Vergeltung" schneidet in Hörischs Augen eindeutig am besten ab. Ledigs Schreibweise habe auch mehr als fünfzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Bestand. Hörisch begrüsst, dass durch die Neuauflauge dieses Buches das Thema nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird. Ledigs bisweilen sehr sachliche Schilderungen (beispielsweise von erstickten Kindern, die vom Luftdruck gegen Mauern geschleudert werden, von deren Müttern, die man - wenn überhaupt - nur zerquetscht unter Trümmern finden kann) sind in den Augen des Rezensenten "Trümmerliteratur in jedem Wortsinne". Es sei eine Literatur, die der Welt der Zerstörung durchaus etwas entgegen zu setzen habe.
2) W.G. Sebald: "Luftkrieg und Literatur" (Hanser Verlag).
Sebalds Buch wird nur am Rande gestreift. Hörisch macht darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um eine Veröffentlichung von Sebalds (überarbeiteten) Zürcher Poetikvorlesungen handelt. Diese Vorlesungen hätten seinerzeit für viel Beachtung gesorgt, weil Sebald der Ansicht ist, dass die Erlebnisse in Bombennächten eben nicht literaturfähig seien. Als "Gegenbeweis" wurde dabei von Diskussionsteilnehmern Gert Ledigs Roman "Vergeltung" ins Spiel gebracht.
3) Heinrich Breloer (Hrsg.): "Geheime Welten - Deutsche Tagebücher aus den Jahren 1939 bis 1947" (Eichborn-Verlag).
Auch Breloers Veröffentlichung wird hier nicht detailliert besprochen. Hörisch weist jedoch auf dieses Buch hin, um den Stellenwert von Ledigs Roman "Vergeltung" besser ermessen zu können. Die Tagebuchaufzeichnungen "normaler" Leute zeigen in Hörischs Augen vor allem die Hilflosigkeit, die Erlebnisse der Bombennächte in Worte zu fassen ("Ach, was ich alles sah! Bilder des Schreckens und der Zerstörung.") und können daher nicht an Ledigs eindringliche Schilderungen heranreichen.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren