Die kulturwissenschaftliche Rezeption der Biologie ist vor 60 Jahren, bei Arnold Gehlen, stehen geblieben. Deshalb gibt das Buch zunächst eine kritische Einführung in die beiden wichtigsten neueren Entwicklungen der Verhaltensbiologie, in die Soziobiologie und in die Evolutionäre Psychologie. Auf dieser Basis werden dann die drei Säulen errichtet, die eine biologische Kultur- und Literaturtheorie tragen sollen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2004
Karl Eibl erklärt Kunst evolutionsbiologisch, was nach Ansicht von Manuela Lenzen ziemlich faszinierend ist, aber auch manchmal ein wenig dem argumentativem Selbstzweck riecht. Doch sie will die Leistung Eibls gar nicht schmälern, der unter anderem den Sinn der Kunst erklärt - biologisch gesehen: "Kunst erzeugt Lust." Und Lust ist nicht nur ein super Gefühl, sondern auch notwendig - zur Kompensation von Stress. Also: "Die Gemüter werden entspannt, das Immunsystem gestärkt, und die Keimdrüsen tun wieder ihre Schuldigkeit. Das, so Eibl, ist der Ursprung der Adaptationen, auf denen die "höhere" Kunst beruht. So entsteht in der Steinzeit das interesselose Wohlgefallen." Und da der Mensch die Fähigkeit zur Abstraktion hat, kann er sich, um besagtes Wohlgefallen zu erzielen, Formen des künstlerischen Ausdrucks zulegen. So gesehen ist die Mimesis die "Vergegenständlichung einer Ereignisfolge im Lustmodus" (aus dem Buch). Mit anderen Worten: "Eibls Kulturtheorie ist Evolutionspsychologie, gefiltert durch das Netz des Literaturwissenschaftlers." Nur was letzterer jetzt damit anfangen soll, bleibt ungeklärt.
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