Islam und Homosexualität - das scheint nicht zusammenzupassen. Und tatsächlich: Von islamischen Geistlichen wird Homosexualität bislang als "Sünde von Sodom" verurteilt. In den meisten islamischen Ländern werden Lesben und Schwule verfolgt. Und auch unter den europäischen Muslimen gibt es starke Vorurteile. Was bedeutet das für das Coming-Out von homosexuellen EinwanderInnen? Was bedeutet es für das Zusammenleben von Lesben, Schwulen und muslimischen MigrantInnen? Wie können Hass, Diskriminierung und Gewalt abgebaut werden? Namhafte WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und PraktikerInnen, darunter die langjährige Ausländerbeauftrage Prof. Dr. Barbara John sowie der Islamwissenschaftler Ralf Ghadban, der Soziologe Michael Bochow und die Wissenschaftlerin/Schriftstellerin Git Thadani, versuchen in diesem vom LSVD Berlin-Brandenburg e.V. herausgegebenen Buch Antworten zu einem kontrovers diskutierten Thema zu geben.
Die Homophobie islamistischer Quartiere auch nur anzusprechen, widersprecht multikulturellem Wunschdenken, diagnostiziert der JAF zeichnende Rezensent. Umso verdienstvoller findet er diesen aus einer Vortragsreihe des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) hervorgegangenen Reader über Homosexualität, Migration und Islam, der sich offensiv und "frei von politischen Immunisierungen" mit diesem Thema auseinandersetze. Die verschiedenen Beiträge scheinen dem Rezensenten gleichermaßen geglückt, vermitteln sie doch einen "exzellenten Überblick" über die Probleme von homosexuellen, islamischen Migranten. "Mutig" findet er etwa Abdurrahman Mercans Klarstellung, dass keinen Respekt verdiene, wer Homosexuelle diskriminiere, auch dann nicht, wenn er als Migrant hier lebe. Daneben lobt der Rezensent die Beiträge von Alexander Zinn über das Verhältnis türkisch- und arabischstämmiger Jugendlicher zu Homosexuellen, von Eva Gundermann und Thomas Kolb über die Menschenrechtsverletzungen aufgrund sexueller Identität am Beispiel des Libanon und Ägyptens sowie von Ralph Ghadban, der erkläre, dass nicht der Islam als solcher Homosexuelle verfolge, sondern der Islamismus. Recht nützlich findet er zudem den ausführlichen Literatur- und Adressteil.
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