Philosophische Entwürfe einer kosmopolitischen Weltordnung waren oft das Menetekel der nächsten Zivilisationskatastrophe. Der reine Weltstaatsformalismus blieb von der Wirklichkeit durch eine gewaltige Kluft getrennt oder diente der verschleierten Partikularität des Imperialismus als universalistische Fassade. Die vorliegende Arbeit folgt deshalb der methodischen Absicht der historisch-kritischen Dezentrierung der Philosophie und würdigt das kosmopolitische und supranationale Denken der Moderne aus der Distanz seiner Entstehungsgeschichte. Darüber hinaus bietet sie eine originelle und gründliche Aufarbeitung des Kosmopolitismus im gesamten Denken von Immanuel Kant und evaluiert dessen Einbettung in die aktuelle Diskussion.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2003
Weltbürgerliches Denken kümmert sich nicht um Grenzen: nationale zuerst, aber auch solche der Religion, der Sitten und so weiter. Dieses Denken ist es, dem die Habilitationsschrift von Francis Cheneval in historischer Analyse nachgeht. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung stehen Hobbes (und sein Erbe), Leibniz (samt Nachfolgern und Umfeld) und vor allem Kant. Der Rezensent Ottfried Höffe bedauert, dass eine vergleichende Betrachtung des Hobbesianischen und des Leibnizianischen Denkens ausbleibt. An der Kant-Darstellung bemängelt er, dass die Einbettung in die Zeit in allzu groben Strichen gezeichnet wird. Zudem findet Höffe den Autor nicht immer "ganz interpretationssicher". Eine Erkenntnis des Rezensenten gibt er überdies als eine eigene aus, was dieser verklausuliert, aber sichtlich verstimmt konstatiert. Dabei will er das Buch gar nicht verreißen, lobt die ersichtliche Gelehrsamkeit - und hat Probleme, wie es scheint, eher im Detail.
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