Aus dem Englischen von Peter Torberg. Bei Eliot Weinberger kann man nie voraussagen, über was er als nächstes schreiben wird: ob über Träume von Wikingern, aztekische Rituale oder Erinnerungen von Hindus, ob über lachende Fische, weissagende Hunde oder das Liebesleben der Maulwürfe, ob über das mittelalterliche Indien, das Kambodscha der Gegenwart oder gar Atlantis. Aber welch fremde Welten, fremde Zeiten, fremde Kulte auch immer behandelt werden - sie alle sind an unsere politische Gegenwart angebunden und erhellen sie dergestalt, dass sie es manchmal ist, die uns nach der Lektüre als exotisch erscheint. So auch in dem titelgebenden Essay, Kaskaden, in dem Weinberger 3000 Jahre Geschichte rekapituliert und in der Aneinanderreihung historischer Fakten und literarischer Zitate aus den Jahren 1200 v. Chr. bis heute die Quellen für Rassismus und Gewalt in der Gegenwart aufdeckt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2003
Rezensentin Sieglinde Geisel zeigt sich fasziniert von den Essays Eliot Weinbergers, von denen nun eine erste Sammlung in deutscher Übersetzung vorliegt. Wie sie berichtet, befasst sich Weinberger am liebsten mit abseitigen Themen wie seltsamen Tieren, aztekischen Ritualen oder einer von Benediktinermönchen entwickelten Zeichensprache. Weinberger sieht sich dann auch selbst als "Exotiker", der lese, um sich in fremde Welten zu versetzen, und eher aus Neugier als aus Empörung schreibe. Nichtsdestoweniger versteht es Weinberger auch, im politischen Diskurs eine "scharfe Klinge" zu führen, betont Geisel. Seine politischen Essays, die sich um Bushs Amerika drehen, findet sie "ebenso zornig wie elegant und absolut unmissverständlich". Weinbergers "eigentliches Werk" besteht für Geisel jedoch in seinen literarischen Essays. Das Themenspektrum des Bands "Kaskaden" reicht nach ihrer Auskunft von den Nacktmullen über politische Ratgeber im mittelalterlichen Indien bis zu sexuellen Lockmitteln in Tierreich und Dichtung Dinge, die am Rand der (uns) bekannten Welt liegen. "In dem Moment jedoch, in dem man davon liest", resümiert sie Weinbergers Kunst, "sind sie einem so nah, dass man nicht mehr versteht, warum man sie bisher nicht kannte."
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