Frech ist er, Wilhelm Tells Sohn Walter. Nicht nur, dass er den Hut auf der Stange nicht grüßt, er behauptet auch noch verwegen, sein Vater sei der beste Schütze der Welt! Das hört der Landvogt Gessler, dem das gar nicht gefällt. Zur Strafe zwingt er Wilhelm, seinem Sohn einen Apfel vom Kopf zu schießen ... So laut Wilhelm Tells Taten besungen wurden, so heftig wurde später sein Heldentum bestritten. Zeit für den vielfach ausgezeichneten Kinderbuchautor Jürg Schubiger, augenzwinkernd neue Lust an der alten Legende zu wecken.
Diese Geschichte vom Wilhelm Tell ist ein "Meisterschuss", freut sich Rezensent Hans ten Doornkaat. Der Zürcher Therapeut und Schriftsteller Jürg Schubiger hat sich mit diesem längeren Band erfolgreich auf Neuland begeben, verrät der Rezensent weiter, ist der Autor doch bis dato eher mit "verschmitzt philosophischer Kurzprosa" in der Kinderliteratur in Erscheinung getreten. Dabei hat er die historische Ebene der berühmten Geschichte des Schweizer Nationalhelden mit der Gegenwart verknüpft: Der Ich-Erzähler besucht seinen Großvater, der als Haupterzähler der Rahmengeschichte fungiert, in Altdorf, dem Ort des Tell-Denkmals und beider Handlungsebenen. Geschickt zwischen Erzähl- und Zeitebenen wechselnd, "genieße der Autor die Freiheit seiner Konstruktion", wie Doornkaat findet. Schubinger habe wie Max Frisch zuvor dem "Helden das Heroische" genommen, an dessen Seite jedoch einen fest im Leben verankerten Erzähler gestellt, mit einer "beiläufigen, aber klugen Erzählung, alltäglich und doch voller Interesse für das Besondere".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2003
Eine inhaltlich komplexe Adaption der Geschichte von Wilhelm Tell ist Jörg Schubinger nach Meinung der Rezensentin Christina Thurner geglückt. Dadurch, dass Tells Geschichte als Binnenerzählung vom Großvater des Protagonisten erzählt wird, bekommt sie nach Thurners Ansicht eine zusätzliche Ebene: "Indem er den Prozess des Erzählens in den Mittelpunkt stellt, verwebt er auf eigene raffinierte Weise Geschichtsschreibung mit aktuellen Themen, Mythen und Sagen mit heutiger Seelenkunde und reale Handlungen und Orte mit Fiktion" so das überaus positive Fazit der Rezensentin. Dabei findet sie, dass Schubinger die Geschichte des Jungen, der von Tell erzählt bekommt und dabei seinen Vater vermisst, ebenso stimmig erzählt wie die Geschichte von Wilhelm Tell und seinem Sohn Walter.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…