Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Mariella Mehr

Angeklagt

Roman

Cover: Angeklagt

Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2002
ISBN-10 331200294X
ISBN-13 9783312002948
Gebunden, 144 Seiten, 17,90 EUR

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Klappentext

Nachdem sie wegen Mordes und Brandstiftung in Untersuchungshaft gesteckt wurde, kämpft die junge Frau Kari Selb in einem rauschhaften Monolog vor der Gerichtspsychologin - um ihre Zurechnungsfähigkeit, um ihre Vergangenheit, um ihr Leben. In ihrer Brandrede entfaltet Kari Selb nach und nach die Phantasien eines "serial killer", die, ohne den Kategorien von "unzurechnungsfähig" oder "schuldig" zu entsprechen, ihre Sprache gefunden hat: die Gewalt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2002

Eine literarische Vivisektion nennt Sibylle Birrer, was die Autorin da in ihrer Trilogie des Verletzens unternimmt, deren abschließender Band jetzt vorliegt. So genau, wie hier die Nervenstränge an den gesellschaftlichen Rändern freigelegt werden, hätte es Birrer allerdings gar nicht wissen wollen. Der Ausgangsfrage "Wie wird aus dem Opfer eine Täterin?", das Thema von Gewalt und Gegengewalt geht Mehr mit einer Ausdrucksstärke und Konsequenz nach, die der Rezensentin fast unheimlich scheint. Derart treffend fungiert die Hauptfigur als "Chiffre für Einsamkeit und Wahnsinn", derart aufreibend wirkt die "Dynamik der Destruktion" und derart radikal ist die Erzählanordnung im Monolog, die Beschränkung auf die Innenperspektive der Protagonistin, mittels derer die Autorin der lauernden Gefahr der Banalisierung und des Pathos entkommt. Neu im Vergleich zu den vorangehenden Bänden, schreibt Birrer, sei die Aufhebung der moralischen Rechtfertigung für das Töten. "Die Wahrheit dieses Bandes liegt in der Tat."

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