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Klappentext
Aus dem Englischen von Udo Rennert. In seiner Autobiografie verdeutlicht Eric Hobsbawm, wie die Geschichte sein eigenes Leben und sein Leben seine Geschichtsschreibung bestimmt hat.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2003
Er kann es nicht lassen, diagnostiziert Christian Geulen: Eric Hobsbawm muss einfach über die große Geschichte schreiben, selbst wenn es wie hier um die kleine, eigene geht. Seine Autobiografie, das sage der große Historiker selber, sei die "B-Seite" zu seinem "Zeitalter der Extreme", in dem er das "kurze 20. Jahrhundert" in seinen großen politischen Konstellationen vermessen hatte. Jetzt wiederhole er dasselbe anhand seiner persönlichen Geschichte, die sich aber, so Geulen, alsbald als die Geschichte des Gelehrten und vor allem des Marxisten Hobsbawm herausstellt, hinter dem der Mensch Hobsbawm zurücktritt: Die Beschreibung seines Lebens sei "vor allem eine Geschichte seines politischen Engagements". Geulen erkennt darin ein "besonders ausgebildetes Bewusstsein, von der großen, überindividuellen Geschichte nicht nur geprägt, sondern regelrecht gepackt worden zu sein ". Leben, Geschichte und das Schreiben von Geschichte bilden also eine Einheit in diesem "lesenswerten" Buch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2003
Christoph Jahr gefällt an Eric Hobsbawns Autobiografie vor allem die "globale Perspektive", die den "intellektuellen Zugvogel" zu einem der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts gemacht habe und nun auch seine Erinnerungen durchziehe. Darin erzähle Hobsbawn nicht nur aus seinem für sich genommen schon recht aufregenden Leben, sondern auch von seinen Begegnungen mit Zeitgenossen und dem akademischen Elfenbeinturm, in dem sich viele verschanzt hätten. Erfrischend findet der Rezensent dabei Hobsbawns Rolle als "Außenseiter und Grenzgänger", die ihm als bekennenden Marxisten einen zwar ideologisch gefärbten, aber undogmatischen Blick auf die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts erlaube, an denen er nach eigener Aussage meist "mit jeder Faser seines Lebens selbst Anteil genommen hat".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003
Erstaunlich wenig, konstatiert Michael Jeismann, erfährt man in dieser Autobiografie über Hobsbawms eigentliche Profession, die Geschichtswissenschaft, und sein Verhältnis zu ihr. Mehr als ein Kapitel - "Unter Historikern" - wird der Zunft nicht gewidmet. Ein Schaden ist das freilich keineswegs, so Jeismann, denn das Leben Hobsbawms war aufregend genug: von der Jugend im Wien der zwanziger Jahre, die mit dem sozialen Abstieg und frühen Tod des Vaters endet, von der Emigration nach England bis zum eigentlichen Lebensthema, der Begeisterung für den Kommunismus, der allerdings in England, beruhigt Jeismann, eher "eine Frage von Temperament, Gefühl und gesellschaftlicher Ironie" gewesen ist als eine Sache des Klassenkampfs. Besonders gut gefallen haben dem Rezensenten, der das ganze Buch offenkundig mit Gewinn gelesen hat, die "Miniaturporträts" von Zeitgenossen, die Hobsbawm immer wieder gelingen. So sei etwa die Darstellung des vergessenen Clemens Heller, des "originellsten akademischen Impresarios" im Nachkriegseuropa, "ein Genuss."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2003
Als eindrucksvollen Lebensbericht eines großen Gelehrten und Vermächtnis eines linken Humanisten rühmt Rezensent Volker Ulrich die Lebenserinnerungen des britischen Historikers. In seinem Buch lege er Rechenschaft ab über "sein Jahrhundert der Extreme", doch diesmal führe er nicht als Historiker sondern als "teilnehmender Beobachter" durch die Zeitläufe. Dennoch geht es dem Rezensenten zufolge in diesen Aufzeichnungen nicht um persönliche Bekenntnisse oder private Enthüllungen, sondern um die Frage, wie die geschichtlichen Umbrüche und Zäsuren Hobsbawms Lebensweg bestimmt und seine Sicht auf die Welt geformt hätten - es handele sich also um eine politische Biografie. Hier beeindruckt den Rezensenten besonders, dass Hobsbawm ein Linker geblieben ist, der nach wie vor auf die verändernde Kraft der Utopie setzt. Die Spannung lässt für den Rezensenten allerdings deutlich nach, als der Autor vom Glück des Familienlebens schreibt. Hier findet er den ansonsten so wunderbar pointierten Autor fast geschwätzig. Dem positiven Gesamteindruck jedoch schmälert dies nur geringfügig. Die deutsche Übersetzung findet Ulrich ebenfalls gelungen. Lediglich der englische Originaltitel "Interesting Times" erscheint ihm angemessener als der deutsche.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.08.2003
Franziska Augstein scheint tief beeindruckt von den Memoiren des Historikers Eric Hobsbawm. Als "Waise, Jude, Kommunist" sei diesem im Europa des 20. Jahrhunderts ein aufregendes Leben quasi vorgezeichnet gewesen, und tatsächlich habe ihn sein Lebensweg durch viele Länder Europas und noch einige darüber hinaus geführt. Diese Lebensgeschichte an sich sei natürlich schon beeindruckend, so die Rezensentin, aber ihre wahre Begeisterung wird vor allem dadurch ausgelöst, dass es Hobsbawm verstehe, "sich selbst in den historischen Kontext einzuordnen" ohne dabei in irgendeiner Form dem Egozentrismus zu verfallen. Des weiteren zeige Hobsbawm tiefen Respekt für jene, die für die ehemals "kommunistisch" genannten Ideale lebten, und auch dies findet die Anerkennung Augstein.
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