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zuletzt aktualisiert 10.02.2012, 17.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Alois Prinz

Lieber wütend als traurig

Die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof. (Ab 15 Jahre)

Cover: Lieber wütend als traurig

Beltz und Gelberg Verlag, Weinheim 2003
ISBN-10 3407809050
ISBN-13 9783407809056
Gebunden, 330 Seiten, 19,00 EUR

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Klappentext

Ulrike Marie Meinhof (1934 -1976) war gläubige Christin, engagierte Pazifistin und schließlich Terroristin. Was muss geschehen - in der Politik, im Privatleben - , dass Engagement für Frieden und Gerechtigkeit umschlägt in Gewalt und Feindseligkeit? Alois Prinz erzählt nachdenklich und zurückhaltend diese Lebensgeschichte, die zugleich ein herausragendes Lehrstück in deutscher Nachkriegsgeschichte ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2003

Christina Thurner lobt diese Ulrike-Meinhof-Biografie von Alois Prinz für sein "unentwegtes Verstehen-Wollen", ohne die Terroristin Meinhof zu verurteilen oder auch zu verteidigen. Gerade für Jugendliche, die ja "die Ereignisse selbst nicht mehr mitbekommen" haben, ist die Art wichtig, wie sie erzählt werden, findet sie. Hier hält sie Prinz zugute, dass er den Leser regelrecht an die Orte führt, wo Meinhof gelebt und als Journalistin gearbeitet hat, wo sie sich politisch engagierte, wo sie verhaftet wurde und wo sie später starb. Eine gründliche Recherche war für diese Arbeit notwendig, glaubt Thurner. Wie sie findet, beschreibt Prinz die gesellschaftlichen und geschichtlichen Zusammenhänge "jugendgerecht ausführlich" und rüttelt an "festgefahrenen Feindbildern", statt Meinhof als gesellschaftlich verdammte "Antiheldin" in die Geschichte eingehen zu lassen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.07.2003

Rudolf Walther gesteht dem Autor der Biografie Ulrike Meinhofs nicht nur "Einiges an intellektueller Courage und politischer Risikofreude" zu, er lobt ihn auch für seine Zurückhaltung in Bezug auf eigene Deutungen und Spekulationen. Vielmehr begnüge sich Alois Prinz damit, "alles verfügbare Material zum Fall Meinhof zusammenzutragen" und "alle Motive und Indizien rational durchzuarbeiten". Dies wird in einer "betont schnörkellosen Sprache" dargeboten und richtet sich an ein jugendliches Leserpublikum ab 14 Jahren, schreibt Walther. Der Rezensent fügt eine ausführliche Inhaltsangabe an, in der er die gesamte Lebensgeschichte der Journalistin und späteren RAF-Terroristin in Kurzfassung erzählt. So erfährt der Leser, wie Ulrike Meinhof aufwuchs, wie sie ihre Laufbahn beim linken Magazin "Konkret" begann und wie sie auf Andreas Baader und Gudrun Ensslin traf. Die genauen Umstände ihres Todes in der Stammheimer Zelle seien bis heute ungeklärt, stellt der Rezensent fest. Auch Prinz sei "klug genug", sich an die offiziellen Untersuchungsergebnisse zu halten, wobei es jedoch "Hinweise" gebe, dass Meinhof "bereits tot war, als sie aufgehängt wurde".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.04.2003

Als "überaus kluges Buch" preist Cathrin Kahlweit diese Biografie der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, wobei sie es dem Autor als Mut auslegt, sich derart um "Verständnis" für seine Protagonistin zu bemühen. In ihrer eingehenden Besprechung des Buches zeichnet die Rezensentin den Lebensweg Meinhofs nach, den Prinz in seinem Buch beschreibt, und sie betont, dass letztlich trotzdem im Dunkeln bleibe, warum Ulrike Meinhof von einer christlichen Weltanschauung in den Terrorismus abgetaucht sei. Diese Frage kann auch der Autor nicht beantworten, so Kahlweit. Sie lobt die Biografie als "akribisch recherchiert" und gibt lediglich kritisch zu bedenken, dass man die Lebensbeschreibung als "zu sensibel geraten" sehen könnte.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2003

Alois Prinz befreit mit seinem Buch Ulrike Meinhof aus dem "Orkus der Verrückten und Kriminellen" und das rechnet ihm die Rezensentin Barbara Sichtermann hoch an. Ihrer Meinung nach ist immer noch ungeklärt, warum Meinhof alles aufgab, um in den terroristischen Untergrund zu gehen. Sichtermann findet die Antwort, die Prinz aus dem Konglomerat von "utopischen Hoffnungen, theoretischen Prospekten, Entscheidungsnöten und Gewissensqualen" entwickelt, absolut "überzeugend" und bescheinigt ihm, sich mit dieser Einbeziehung historischer und kultureller Hintergründe dem geheimnisvollen Charakter Meinhofs anzunähern. "In einer bündigen, unaufgeregten Sprache...vereinfacht er ohne zu versimpeln, er popularisiert, ohne zu verflachen", lobt die Rezensentin Prinz. In seinen klaren Sätzen werden für Sichtermann auf den ersten Blick absurde und radikale Entscheidungen des RAF-Mitglieds Meinhof nachvollziehbar. Was man aus ihrer Rezension nicht erfährt, ist, ob Sichtermann dieses als Jugendbuch beschriebene Werk auch für Jugendliche geeignet hält. Für Erwachsene scheint sie es uneingeschränkt zu empfehlen.

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