Bücher der Saison
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Klappentext
Ulrike Marie Meinhof (1934 -1976) war gläubige Christin, engagierte Pazifistin und schließlich Terroristin. Was muss geschehen - in der Politik, im Privatleben - , dass Engagement für Frieden und Gerechtigkeit umschlägt in Gewalt und Feindseligkeit? Alois Prinz erzählt nachdenklich und zurückhaltend diese Lebensgeschichte, die zugleich ein herausragendes Lehrstück in deutscher Nachkriegsgeschichte ist.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2003
Christina Thurner lobt diese Ulrike-Meinhof-Biografie von Alois Prinz für sein "unentwegtes Verstehen-Wollen", ohne die Terroristin Meinhof zu verurteilen oder auch zu verteidigen. Gerade für Jugendliche, die ja "die Ereignisse selbst nicht mehr mitbekommen" haben, ist die Art wichtig, wie sie erzählt werden, findet sie. Hier hält sie Prinz zugute, dass er den Leser regelrecht an die Orte führt, wo Meinhof gelebt und als Journalistin gearbeitet hat, wo sie sich politisch engagierte, wo sie verhaftet wurde und wo sie später starb. Eine gründliche Recherche war für diese Arbeit notwendig, glaubt Thurner. Wie sie findet, beschreibt Prinz die gesellschaftlichen und geschichtlichen Zusammenhänge "jugendgerecht ausführlich" und rüttelt an "festgefahrenen Feindbildern", statt Meinhof als gesellschaftlich verdammte "Antiheldin" in die Geschichte eingehen zu lassen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.07.2003
Rudolf Walther gesteht dem Autor der Biografie Ulrike Meinhofs nicht nur "Einiges an intellektueller Courage und politischer Risikofreude" zu, er lobt ihn auch für seine Zurückhaltung in Bezug auf eigene Deutungen und Spekulationen. Vielmehr begnüge sich Alois Prinz damit, "alles verfügbare Material zum Fall Meinhof zusammenzutragen" und "alle Motive und Indizien rational durchzuarbeiten". Dies wird in einer "betont schnörkellosen Sprache" dargeboten und richtet sich an ein jugendliches Leserpublikum ab 14 Jahren, schreibt Walther. Der Rezensent fügt eine ausführliche Inhaltsangabe an, in der er die gesamte Lebensgeschichte der Journalistin und späteren RAF-Terroristin in Kurzfassung erzählt. So erfährt der Leser, wie Ulrike Meinhof aufwuchs, wie sie ihre Laufbahn beim linken Magazin "Konkret" begann und wie sie auf Andreas Baader und Gudrun Ensslin traf. Die genauen Umstände ihres Todes in der Stammheimer Zelle seien bis heute ungeklärt, stellt der Rezensent fest. Auch Prinz sei "klug genug", sich an die offiziellen Untersuchungsergebnisse zu halten, wobei es jedoch "Hinweise" gebe, dass Meinhof "bereits tot war, als sie aufgehängt wurde".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.04.2003
Als "überaus kluges Buch" preist Cathrin Kahlweit diese Biografie der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, wobei sie es dem Autor als Mut auslegt, sich derart um "Verständnis" für seine Protagonistin zu bemühen. In ihrer eingehenden Besprechung des Buches zeichnet die Rezensentin den Lebensweg Meinhofs nach, den Prinz in seinem Buch beschreibt, und sie betont, dass letztlich trotzdem im Dunkeln bleibe, warum Ulrike Meinhof von einer christlichen Weltanschauung in den Terrorismus abgetaucht sei. Diese Frage kann auch der Autor nicht beantworten, so Kahlweit. Sie lobt die Biografie als "akribisch recherchiert" und gibt lediglich kritisch zu bedenken, dass man die Lebensbeschreibung als "zu sensibel geraten" sehen könnte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2003
Gelungen findet Rezensent Dietmar Dath dieses Jugendbuch über Ulrike Meinhof. Es hat ihm gezeigt, dass man über die Meinhof fast einen "stimmungsvollen, aufgeräumten Entwicklungsroman" schreiben kann. Der Rezensent findet vom Autor ebenfalls verdeutlicht, dass "Meinhofs Weg weniger von der staatlichen Reaktion" als von der fehlenden Antwort auf die sehr berechtigte Frage, wie ernst es die Linke mit der Politik meine, bestimmt wurde. Prinz versuche nicht zu erraten, wie es zum "apolitischen Todesmut" der Meinhof gekommen sei. Vielmehr gehört auch das Ertragen der Nichtbeschreibbarkeit zu den vom Rezensenten an diesem Buch geschätzten Künste. Zu jedem historischen und biografischen Zeitpunkt sei mehr möglich, als praktisch zu ermitteln, formuliert er etwas umständlich sein großes Kompliment an den Autor und sein Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2003
Alois Prinz befreit mit seinem Buch Ulrike Meinhof aus dem "Orkus der Verrückten und Kriminellen" und das rechnet ihm die Rezensentin Barbara Sichtermann hoch an. Ihrer Meinung nach ist immer noch ungeklärt, warum Meinhof alles aufgab, um in den terroristischen Untergrund zu gehen. Sichtermann findet die Antwort, die Prinz aus dem Konglomerat von "utopischen Hoffnungen, theoretischen Prospekten, Entscheidungsnöten und Gewissensqualen" entwickelt, absolut "überzeugend" und bescheinigt ihm, sich mit dieser Einbeziehung historischer und kultureller Hintergründe dem geheimnisvollen Charakter Meinhofs anzunähern. "In einer bündigen, unaufgeregten Sprache...vereinfacht er ohne zu versimpeln, er popularisiert, ohne zu verflachen", lobt die Rezensentin Prinz. In seinen klaren Sätzen werden für Sichtermann auf den ersten Blick absurde und radikale Entscheidungen des RAF-Mitglieds Meinhof nachvollziehbar. Was man aus ihrer Rezension nicht erfährt, ist, ob Sichtermann dieses als Jugendbuch beschriebene Werk auch für Jugendliche geeignet hält. Für Erwachsene scheint sie es uneingeschränkt zu empfehlen.
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