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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller, Erica Fischer und Grete Osterwald. New York, 1975. Der Kunsthistoriker Leo Hertzberg entdeckt in einer der zahlreichen Galerien der Stadt ein Gemälde des Malers William Wechsler - das Bild einer jungen Frau mit dem rätselhaften Titel "Selbstporträt". Der Theoretiker Leo und der Künstler Bill werden enge Freunde, ziehen in das gleiche Haus, in dem sie die Erfahrungen von Heirat, Ehe, Vaterschaft und Trennung teilen. 25 Jahre später erzählt Leo davon.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.02.2003
Am Anfang dieses Romans steht ein Gemälde, dessen Motive im ganzen Roman wiederkehren wird, erklärt die Rezensentin Ursula März: "die Rolle des Künstlers im eigenen Kunstwerk, das Dunkel der Vieldeutigkeit, der Sog des Enigmatischen, das Irrlichtern, Shiften und Verlaufen der Identität". In der Tat beschreibe Siri Hustvedt zwei benachbarte, übereinander wohnende New Yorker Familien, eine Künstlerfamilie um den Maler des eingangs beschriebenen Gemäldes, und eine Intellektuellenfamilie, die beide für die Rezensentin sehr an das kunstliebende "Bürgertum des letzten fin de siecle" erinnern, und deren Leben ineinander greifen und sich symbolisch verschränken. Während sich die Frau des Malers mit psychischen Pathologien beschäftige, erlangten die Kunstwerke des Malers "prophetischen" Charakter, in denen "das Unbewusste der erzählten Geschichte" stecke. "Wer ist wer, und wer lebt wessen Leben?" sind für März die Fragen, die sich subtil aber unaufhaltsam durch den Roman ziehen, so "diskret" und so "indirekt" wie die von der Autorin eingestreuten "Zeichen und Vorzeichen". Denn die "extreme Verlangsamung" des Erzählens sei nichts als "die Ruhe vor dem Sturm", vor der bevorstehenden Katastrophe, dem Tod einer der Söhne. Daraufhin entwickle sich der andere Sohn zu einem "Monster", zu einem "kostümierten Nichts", der einem "sinistren" und gewaltverherrlichenden Künstler anheim falle, in dem die Rezensentin Marilyn Manson zu erkennen meint. Diese "Verbindung dieser Tragödie mit aktueller Kulturgeschichte und mit Kulturkritik" sei auch der Schwachpunkt dieses Romans, der aber trotzdem "Hustvedts bisher eindrucksvollster und ambitioniertester Roman" bleibe.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.01.2003
Rezensentin Jutta Person zeigt sich fasziniert von Siri Hustvedts New York-Roman "Was ich liebte", in dem sie den Kunsthistoriker Leo Hertzberg rückblickend die Lebensgeschichten zweier Paare im New Yorker Stadtteil SoHo erzählen lässt. Entstanden ist nach Ansicht Persons ein Familiendrama und Psychothriller, ja eigentlich ein "Philothriller". Person sieht in Leos Rückblick vor allem ein Rätselraten über den Ursprung des Wechselbalgs, zu dem sich Mark, Sohn seines Malerfreundes Bill Wechsler und dessen Frau Violet, entwickelt hat. Hinter der glatten Unschuldsmiene des Pillenschluckers Mark verberge sich eine Welt, zu der die alternden Intellektuellen keinen Zugang mehr hätten. Die Differenz, erklärt Person, zwischen der Gewissheit der geistigen Tiefe, die Leo und Violet in der "Kritik", dem "Zweifel", der "Subversion" zu finden glauben und der "puren Oberfläche" oder der "seelenlosen Mechanik", die von Mark und seinem unheimlichen Künstlerfreund verkörpert werden, scheint unüberbrückbar. Insgesamt würdigt Person Hustvedts Roman als "ebenso spannendes wie intelligentes Panorama der Wechselfälle, die das Leben und die Kunst zu bieten haben".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2003
Angela Schader sieht einige Konstanten in Siri Hustvedts Büchern, wie etwa das leicht Surreale, die Motive des Verschwindens oder die Allgegenwart einer Künstlerfigur - vor allem letztere erfährt in Hustvedts neuestem Roman eine Aufwertung. Doch Schader verzeichnet auch eine Entwicklung der Autorin, die erstmals das artifizielle Moment "im Humus menschlicher Beziehungen" ansiedele. Darin liegen für Schader Stärken und Schwächen des Buches begründet. Zu den Stärken: das gefühlsbeladene Beziehungsgeflecht werde glaubwürdig gespannt und festgezurrt. Schon weniger Gefallen findet Schader an dem zweiten Erzählstrang des Romans, der viel "intellektuellen Ballast" mit sich führe und von Hustvedt eher pflichtbewusst als amüsiert gemeistert werde. Richtig Minuspunkte macht bei Schader Hustvedts Konfrontation von zwei- und dreidimensionalen Charakteren: in Gestalt eines Kunstkritikers ragt das "Reich des Bösen" reichlich flach und fremd in die Romanwelt, kritisiert Schader. Auch wenn diese Konfrontation eine inhaltliche Entsprechung im Roman finde, gelinge es Hustvedt nicht, diese unterschiedlichen Ebenen zu verbinden. Trotz ihrer Einwände wünscht Schader keine Rückkehr zum gängigen Familienroman. Dass sich "ein wärmeres menschliches Klima" auch mit postmodernen Erzählstrategien verträgt, habe schließlich de Lillo bewiesen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.01.2003
Übervoll an Geschichten sei dieser Roman, an Erzählungen über Familie, Verlust, Tod, die Kunst und die Kunst des Lebens, meint Rezensent Volker Frick und so erzählt er die Handlung lang und breit nach und spürt autobiografische Hinweise auf (etwa die Verwicklung ihres Stiefsohnes in einen Mord). Und doch scheint er selbst nicht zu wissen, was er nun von diesem Roman halten soll. Frick nennt ihn kunstvoll, aber auch artifiziell, leblos und intellektuell doch anregend. Rückbindungen in die autobiografische Wirklichkeit sind ihm einerseits "bis zum Erbrechen" vorhanden, andererseits schätzt er die Vermischung von Wahrheit und Dichtung, er lobt "die Klarheit der Trauer", und er bemängelt die fehlende Kraft des erzählten Augenblicks. Allein den schönsten Satz des Romans will er mit Sicherheit aufgespürt haben: "Ich bin mir nicht sicher, ob Liebe alles entschuldigt."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.01.2003
Es gilt, Großes anzukündigen. Also hat es sich Michael Naumann nicht nehmen lassen, persönlich Siri Hustvedts neuen Roman zu loben. Denn dieser Künstler-Roman, freut sich Naumann, sei ein "ganz unzeitgemäß ernstes Buch über den Kummer des Lebens", eines, das, obwohl es doch von New York erzählt, ganz ohne Zynismus, Satire oder brillante Boshaftigkeit auskomme. Kurz hält sich Naumann damit auf, die Konstellation des Romans zu erklären - der charismatische Künstler und seine gefühlsarmen Frau auf der einen Seite, auf der anderen Seite der Kunsthistoriker und die Anglistin, die eher ein Gemeinschaftsreferat abhalten als eine Ehe führen , um dann seine Lobeshymne fortzusetzen. Und was Naumann an diesem Roman voller Wunder nicht alles begeistert: der schnörkellose Stil, die fotografische Neugier, die kieselkühle Darstellung der Lebensnöte seiner Protagonisten - vor allem aber Hustvedts konservative Sicht einer "bürgerlichen Welt, die in existenzieller Blindheit endgültiger Todesstarre entgegentreibt, eines Milieus, dessen Bewohner sich vergebens nach ewiger Liebe sehnen und doch nicht ahnen, was es gewesen sein könnte, das sie verloren haben".
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