Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Angela Praesent. Harold Brodkey, für seine Romane und Erzählungen bekannt, war auch Kritiker, Kommentator und Publizist. Seine Essays, zumeist für den "New Yorker", decken ein breites Themenfeld ab. Ob er von verwunschenen Gärten oder den New Yorker Jahreszeiten schwärmte oder kritisch über Sex, Politik und Literatur schrieb, stets erwies er sich als Meister der subtilen, überraschenden Beobachtung. Im vorliegenden sind Brodkeys beste Essays nun zum erstenmal auf deutsch versammelt: analytische Filmkritiken, leichtfüßige Feuilletons und umfassende politische oder literarische Betrachtungen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.04.2002
Erst spät erfuhr Harald Brodkey hierzulande literarische Ehre, dafür aber gründlich, berichtet Barbara Burckhardt. 1996 starb der Publizist und Schriftsteller mit 66 Jahren an Aids, 1999 wurden in den USA unter dem "schönen" Titel "Sea Battles on Dry Land" eine Reihe von kurzen Texten des Autors veröffentlicht, die nun im Deutschen "sehr viel einfallsloser" als "Liebeserklärungen und andere letzte Worte" vorliegen, mäkelt die Rezensentin. Aber nicht nur am Titel hat sie etwas auszusetzen, auch mit sämtlichen der Texte kann Burckhardt wenig anfangen: "Was da auf 400 Seiten versammelt wurde, weil der Qualitätsname Brodkey darüber steht, ist nur zum kleineren Teil wert, der Ewigkeit überliefert zu werden", schimpft die Rezensentin. Vieles sei banal, oberflächlich und vor allem "outdated". Tagesaktuelle Texte als Essays auszugeben, findet Burckhardt etwas ungeschickt, denn bekanntermaßen hätten die "ein schnelles Verfallsdatum".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2002
Wenn sie die zahlreichen Selbstporträts des Autors auch für die glanzvollsten Stücke des Bandes hält, so macht Verena Auffermann doch keinen Hehl daraus, dass sie die radikale Nabelschau des Künstlers und Mannes Brodkey weniger gern hat als jene Momente in dieser Essaysammlung, da der Autor einmal den Blick auf etwas wirft, das größer ist als er selbst, auf New York zum Beispiel. Oder lesen wir gerade diese Texte im Augenblick nur etwas genauer? Wie auch immer, meint Auffermann, es ist mehr der Blick Pasolinis als derjenige Tarantinos, der in solchen Abschnitten registriert, und das gefällt ihr. Gefällt ihr auch besser als etwa der "überkandidelte" Aufsatz "Über die Freundschaft" oder die "Bemerkungen zum amerikanischen Faschismus" (über die uns Auffermann ruhig etwas genauer hätte sagen können, wie man sie sich vorzustellen hat), die für sie "besser im Nachlass geblieben wären", aus dem sie stammen. Hat da die Herausgeberin Ellen Brodkey womöglich Angst, ihr Mann könne in Vergessenheit geraten? Braucht sie nicht, schließt Auffermann versöhnlich. "Wer etwas über das Schreiben wissen möchte, erfährt es hier."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Richard Kämmerlings ganzseitige Rezension spiegelt ein ebenso starkes wie kontroverses Leseerlebnis mit dieser 1992 in Amerika erschienenen Essaysammlung des New Yorker Schriftstellers. Erst heute, schreibt er, würden die Zusammenhänge zwischen den Essays des 1996 an Aids gestorbenen Brodkey und seinem erzählerischen Werk deutlich. Und natürlich kann auch Kämmerlings nicht anders, als die New-York-Texte auf die Anschläge des 11. September zu beziehen. Im Fokus von Brodkeys "seismografischer Senitivität" erscheinen ihm die Folgen der Krankheit Aids für die Stadt ähnlich wie dem Rezensenten nun die der Terrorangriffe. Das "Pathos dieses Nachrufs auf einen entseelten Stadtkörper" bewegt den Rezensenten sichtlich. Dennoch gehört seine Begeisterung lediglich einzelnen Texten, nicht jedoch dem ganzen Band. In der deutschen Ausgabe bemängelt er das "unverständliche Fehlen einiger Essays der Originalausgabe". Dem Leser empfiehlt er generell, das Buch von hinten zu beginnen. Dann erspare man sich "den etwas mühsamen familienhistorischen Einstieg". Auch andere Texte wirkten auf den Rezensenten "unkonzentriert und verquatscht": Überhaupt müsse man in Stimmung sein, um sich Brodkeys Gesprächston zu überlassen. Doch Brodkey sei "ein Meister der ersten Sätze", schreibt Kämmerlings auch. Sätze, "die den vor lauter Brillanz geblendeten Leser zum Weiterlesen verpflichten".
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