Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

John Wray

Retter der Welt

Roman

Cover: Retter der Welt

Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2009
ISBN-10 3498073621
ISBN-13 9783498073626
Gebunden, 352 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Peter Knecht. William Heller oder Lowboy, wie er sich nennt, ist sechzehn, schizophren und, so heißt es, gefährlich. Er soll eine Freundin vor die Subway geschubst haben. Und nun sind die Cops vom New York Police Department hinter ihm her, mitsamt seiner Mutter. Doch Lowboy hat ein viel schlimmeres Problem: Seit er aus der Anstalt ausgebrochen ist, strebt die Welt zügig auf die Selbstvernichtung zu, und nur er allein kann sie retten. Auf der Flucht und einer vagen Suche zugleich, immer verfolgt von einem Profiler, der eine ebensolche Vorliebe für Geheimschriften und Rätsel hat wie er, hetzt Lowboy durch die Tunnel und Katakomben der New Yorker U-Bahn - eine düstere Welt, deren Wahrnehmung stets ins Wahnhafte verschoben scheint und deshalb umso schillernder die Wirklichkeit spiegelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.07.2009

Christoph Schröder ist begeistert. Atemlos folgt er dem paranoid schizophrenen jugendlichen Helden in John Wrays Roman durch das New Yorker U-Bahn-Labyrinth. Dabei ist der Held, der sich als Retter der Welt versteht, nicht der Einzige in diesem Buch mit Bewusstseinsspaltung. Die "vibrierende" Hochspannung des Textes führt Schröder auch darauf zurück, dass Wrays konzeptionelle Sorgfalt auch die Nebenfiguren mit einschließt. Was die kluge Kombination aus Thriller und Liebesgeschichte für ihn darüber hinaus zum Knüller werden lässt, ist Wrays klare, dabei motivreiche Sprache, seine Enthaltsamkeit bei Effekten und Phrasendrescherei. Für Schröder ist das Buch eine "ästhetisch plausible Darstellung einer Normalität, die auf deren Gegenteil basiert".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.06.2009

Schon mit seinem ersten Roman "Die rechte Hand des Schlafs" hatte John Wray dem Rezensenten Klaus Harpprecht großes "Leser- und Kritikerglück" bereitet. Nun, mit seinem dritten Roman, hat er sich nach Harrpechts Dafürhalten in Hinsicht auf "Gaben und die handwerkliche Sicherheit" noch gesteigert. Für "groß, in manchen Passagen sogar genial" hält Harpprecht den "Retter der Welt", dessen Geschichte ihn atemlos gelassen hat: Die Geschichte eines erbarmungswürdigen kranken Jungen, dem die Mutter und ein Detective durch die Schächte der New Yorker U-Bahn hinterherherjagen, um Unglück zu verhindern. Und wie tief Wray dabei in die "Hell-dunkel, die Traum-, die Angst-, die Übermenschen-Welt der Krankheit" dringt, wie sorgsam er sprachlich Unter- und Oberwelt trennt und doch deutlich macht, dass die Welt außerhalb der Irrenanstalt auch ihre paranoiden und schizophren Logiken hat, das hat Harpprecht tief imponiert. Die Übersetzung von Peter Knecht liest sich für ihn, wie er abschließend lobt, als hätte sie Wray selbst geschrieben.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2009

Dieses Buch hat Rezensent Christian Werthschulte alle Facetten eines klassischen New-York-Romans geboten. Und doch scheint es sich nicht wirklich um einen solchen zu handeln. Lange weiß Werthschulte nicht, ob diese Geschichte eines durch New York treibenden schizophrenen Sechzehnjährigen, der die Welt retten will, in dem er mit einer Frau schläft, auch das Dokument der Gentrifizierung New Yorks hin zu einer Stadt ohne Eigenschaften ist. Oder ob in der Erweckung dieses Eindrucks gerade ein Kniff der Geschichte besteht. Nach längerem Schwanken scheint der Rezensent aber doch zu einem positiven Gesamturteil zu kommen und am Roman als Qualität zu empfinden, was auch anstrengend an ihm ist: die losen Enden, die das Zuwortkommenlassen der polyphonen Stimmen der Stadt New York für den Text zur Folge hat, und die Werthschulte in anderen New-York-Romanen meist von der "welterklärenden Stimme" eines Erzählers erdrückt findet.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2009

Rezensentin Angela Schader hat sich von John Wrays Roman, in dessen Zentrum ein an paranoider Schizophrenie leidender Jugendlicher steht, in Bann schlagen lassen. Er ist ihr, wie sie bekennt, richtig nahe gegangen. Der amerikanische Autor schildert parallel die Flucht des gerade aus der Psychiatrie gekommenen William Heller in der New Yorker Subway und der Suche des schwarzen Polizeidetektivs Ali Lateef in Begleitung von Williams Mutter nach ihm, erklärt die Rezensentin. Sehr intensiv wirken die Schilderungen von Williams wahnhafter Weltwahrnehmung auf sie, und dennoch stellt sie angenehm berührt fest, dass uns der Autor nicht auf einen "psychedelischen Trip" schickt, sondern vielmehr eine Reise durch die Unterwelt beschreibt, die doch mit der gewöhnlichen Welt eng verbunden ist. Der Roman, den sie in der Tradition von Klassikern von Poe und Pynchon stehen sieht, der sie aber auch an jüngere literarische Vorbilder erinnert wie Jonathan Lethems am Tourette-Syndrom leidender Protagonist in "Motherless Brooklyn", gefällt sich nicht in verständnisvoller Einfühlung, so Schader. Dafür überzeuge der Roman mit Genauigkeit und Sensibilität, und lasse es auch am nötigen "Takt" nicht fehlen, wie die Rezensentin hervorhebt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2009

Dies ist ein herausragendes Werk, ruft einem die Rezensentin Felicitas von Lovenberg gleich im ersten Absatz entgegen, und man folgt ihr nicht ohne Spannung, wie sie die U-Bahnfahrt eines nicht ungefährlichen Schizophrenen durch New York schildert. Ihm korrespondiert laut Rezensentin die Gestalt eines Detektivs, der versucht, den Entwichenen wieder einzufangen. Lovenberg verhaspelt sich ein bisschen in Nacherzählung, aber man spürt, wie ihr diese Parallelkonstruktion des Irren im Tunnel und des Aufklärers im Licht den Atem nimmt. Dass der Roman sich wie ein Thriller lese, braucht sie da kaum noch dazuzusagen: Man will ihn auch haben. Lovenberg lobt auch die Arbeit des Übersetzers Peter Knecht.

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