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Pierre Bourdieu
Ein soziologischer Selbstversuch
Klappentext
Aus dem Französischen von Stephan Egger. Mit einem Nachwort von Franz Schultheis. In seiner letzten Vorlesung am College de France im März 2001 erprobte Pierre Bourdieu seine reflexive Sozialwissenschaft am eigenen Lebenslauf und lieferte mit dieser Selbstanalyse zugleich ein prägnantes Beispiel für seine wissenschaftliche Methodik.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2003
Obwohl Bourdieus "Selbstversuch" ausdrücklich keine Autobiografie sein will, sind, befindet Hans Berhnard Schmid, die vielleicht am stärksten autobiografischen Teile des Buches - über Bourdieus Kindheit auf einem kleinen Bauernhof und die von Auflehnung geprägte Schulzeit - "wohl die eindringlichsten des Buches". Trotz einer deutlichen Wertschätzung für Bourdieus Werk spart der Rezensent außerdem nicht mit Kritik an dem Versuch, mit diesem Buch, wie Schmid es sieht, der möglichen Wendung von Bourdieus soziologischem Instrumentarium - das nicht zuletzt die "intellektuelle Welt in Frage" stellte - gegen ihn selbst und sein Wirken zuvorzukommen. Bourdieu spreche demgegenüber zwar ausdrücklich davon, dass er die intellektuelle Selbstkritik als "ein kollektives Unternehmen" begreife, der "Vorzeigeintellektuelle" habe dann jedoch in seinen Kritikern "kaum je Mitarbeiter zu sehen vermocht". Vor allem Bourdieus Behandlung seiner Rolle innerhalb seiner eigenen Forschergruppe ruft für Schmid nach einer unabhängigen Untersuchung durch andere: In Bourdieus Darstellung erscheine diese Gruppe einmal wie eine "intellektuelle Guerilla", und Bourdieu als deren charismatischer Führer, ein andermal berufe sich Bourdieu zur Beschreibung der Gruppe auf Husserls "Beamte der Humanität".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002
In seiner während seines letzten Lebensjahres verfassten Selbstanalyse beschreibt der Philosoph und Soziologe Pierre Bourdieu seinen intellektuellen Werdegang, berichtet Sonja Asal. Im Zentrum steht für Asal dabei, was Bourdieu eine "echte epistemologische Konversion" nennt: die Zuwendung zur Soziologie und damit zur sozialen Wirklichkeit. Mittels einer "soziologischen Selbstbeschreibung" (Bourdieu) sucht er zu einer Objektivierung der eigenen Position im Erkenntnisprozess zu gelangen, erklärt die Rezensentin. Wie sie ausführt, baut Bourdieu seinen methodischen Vorgaben folgend zunächst die Kulisse auf, um das Feld, in dem er seine Ausbildung in den frühen fünfziger Jahren begann, zu beschreiben: das französische Bildungssystem mit seinem elitären Selbstverständnis, die Bedeutung Sartres als "absoluten Intellektuellen", die starke Wirkung des Existenzialismus. Später wendet sich Bourdieu enttäuscht und beschämt von all dem ab und schlägt den Weg zur Soziologie ein, hält Asal fest. Sie hebt hervor, dass Bourdieu in vorliegendem Text zum ersten Mal auf seine kleinbürgerliche Herkunft eingeht und seinen von Auflehnung gegenüber der Schulde und Scham über seine Herkunft geprägten Bildungsgang beschreibt.
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