In einem Essay von 1899 erklärt Rathenau seine Liebe zu Berlin, wie der Titel "Die schönste Stadt der Welt" zeigt. Der Essay zeigt eine im Entstehen begriffene Metropole, die den Elan der Gründerjahre nicht immer in großen Konzepten ästhetisch umzusetzen wußte. Humorvoll und bissig kommentiert Rathenau die Veränderungen. Rathenaus Essay wirkt durch seine implizite Aktualität: auch das Berlin der Gegenwart ist von einem Wandel gekennzeichnet, der weder gesellschaftlich noch städtebaulich abgeschlossen ist und im Zentrum zahlreicher Diskussionen steht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.09.2002
Dass der Aufsatz über die städtischen Impressionen und Fantasien des Industriellen, Kulturkritikers und Politikers Rathenow von 1902 neu aufgelegt wurde, erfreut Rezensent Christoph Jahr zutiefst. Und die neue Ausgabe der ironischen Darstellung "Spree-Athens" hat auch ein Plus an Informationen zu bieten, wie Jahr hervorhebt. So sei dem Essay ein äußerst bereicherndes Nachwort von Rolf Sachse über die "Guckkasten-Fotografie" beigefügt und zahlreiche Stadtbilder illustrieren, wie es wohl anno dazumal in der heutigen Hauptstadt ausgesehen hat. Bedauerlich findet der Rezensent nur, dass auf den Entstehungskontext des kleinen Kunstwerks mit keiner Silbe eingegangen wird und damit wiederum unklar bleibt, warum in Gottes Namen Rathenau seine Heimatstadt, die schon damals "hoffnungslos verbaut" (Christoph Jahr) war, im Titel voller Hoffnung "die schönste Stadt der Welt" nennt.
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