Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Mit zahlreichen Abbildungen. Das avantgardistische Architektur-Gebirge an der Kreuzberger Lindenstraße hat in seiner zehnjährigen Baugeschichte bereits mehrere Namen erhalten. Als die Debatte um den Zweck des Gebäudes sich ideologisch zuspitzte, sprach man vom "Libeskindbau", in dem das "Jüdische Museum im Berlin Museum" Platz finden sollte. Doch dieses "Jüdische Museum im Berlin Museum" ist nie eröffnet worden. Autonom seit 1998 setzt das Museum seinen Raumanspruch auf den kompletten Libeskindbau erfolgreich durch. Aber wird es sich dabei, wie ein reines Geschichtsmuseum, ausschließlich der Kultur toter Juden widmen - oder findet das kontroverse Selbstverständnis der Überlebenden gerade in diesem Haus sein Forum? Thomas Lackmann entdeckt in der Zeitgeschichte des Jüdischen Museums Berlin die aktuellen Obsessionen und Verdrängungen, die Identitäts- und Integrationsfragen multikultureller Gesellschaften der Deutschen wie der Juden in aller Welt: eine Provinz-Farce aus dem Milieu des noch nicht vergangenen West-Berlin.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2001
Nach Heinrich Wefing hat der Autor hier "ohne Frage eine Chance vertan". Zwar weiß er durchaus anzuerkennen, dass Lackmann mit der Geschichte des Museumsbaus wie kaum jemand sonst vertraut ist. Doch bei der Darstellung habe er einen Grad von Komplexität erreicht, der den des Museums noch in den Schatten stelle. Wefing stört sich offenbar an der eigentümlichen Mischung der Herangehensweisen Lackmanns: Manche Passagen erscheinen ihm wie ein "fiktives Theaterstück", dann wieder gibt es Dokumentationen zu Entwürfen und Konzepten, manchmal werde der Autor ironisch und verfalle an anderer Stelle wieder in einen "märchenhaften Ton". Für eine Darstellung dieser `deutschen Museumsgroteske` wäre es nach Wefing jedoch wirkungsvoller gewesen, den Sachverhalt ganz nüchtern darzustellen, weil auf diese Weise das Groteske der Angelegenheit von selbst sichtbar geworden wäre. Von diesen Aspekten abgesehen, vermisst der Rezensent eine gewissen Plastizität in der biografischen Skizze des Museumsdirektors W. Michael Blumenthals sowie Informationen zum Streit Blumenthals mit seinem ehemaligen Vize Tom Freudenheim, der das Haus mittlerweile verlassen hat. Insgesamt diagnostiziert Wefing beim Autor Scheu vor einem "scharfen Urteil".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2000
Darf man satirisch über den Entstehungsprozess eines jüdischen Museums in Deutschland schreiben, fragt sich Christoph Jahr und schiebt gleich hinterher: anders geht es nicht. Jahr bedenkt das essayistisch aufbereitete Buch des Berliner Journalisten Thomas Lackmann mit wohlwollenden Worten. Lackmann helfe nachvollziehen, wie aus dem geplanten Erweiterungsbau des Berlin-Museums ein eigenständiges Museum wurde, dessen internationale Dimensionen die provinziellen Berliner Politiker völlig überforderten, schreibt Jahr. Eine Art Provinzposse also, die zeigt, wie die durch eine formelhafte Sprache und politische Kompromisse "vermeintlich eingezäunte Geschichte aus ihrem musealen Reservat ausbricht", wobei man die Gefahr der Exotisierung und Fetischisierung des Jüdischen nicht übersehen dürfe, zitiert Jahr den Autor. Wie schwierig sich das Verhältnis von Deutschen und Juden nach wie vor gestaltet, sei bei der Buchpräsentation im Museum zu erleben gewesen, schließt der Rezensent seinen Bericht. Unverbindliche Worte hier und da, und am Ende stand der Autor mit seinen Überlegungen alleine da.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2000
Den Titel des Buchs findet Martina Meister arg reißerisch und sieht sich darum gleich zu Beginn ihres Artikels veranlasst zu versichern, dass Lackmann "keineswegs Antisemit" sei. Sein Buch wolle vielmehr anhand der Geschichte des Jüdischen Museums in Berlin die Verkrampftheit des deutsch-jüdischen Verhältnisses beschreiben. Mit seinem Titel und anderen Provokationen wolle der Autor beweisen, dass er nicht politisch korrekt sei. Als Alternativen für die lange umstrittene Museumskonzeption des Berliner Hauses, das im Jahr 2000 immer noch nicht eröffnet war, nennt Lackmann nach Meister den "Schanghai-Express", also einen Schnelldurchgang durch die Geschichte, und den "Jurassic Park", also ein Museum, das "einer als ausgestorben betrachteten Spezies" gewidmet wäre, die sich aber nun "auf unerwartete Weise reanimiert, gegen ... ihre Reanimatoren und zugleich einzigen ernst zu nehmenden Feinde" wendet. Lackmann scheint sich dabei nach Meisters Bericht eher für die zweite Möglichkeit auszusprechen.
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