Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 08.02.2012, 16.40 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Richard Sennett

Respekt im Zeitalter der Ungleichheit

Cover: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit

Berlin Verlag, Berlin 2002
ISBN-10 3827000327
ISBN-13 9783827000323
Gebunden, 304 Seiten, 19,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff. Der Soziologe Richard Sennett stellt in seinem Buch die Frage, ob eine Gesellschaft, die von großer sozialer Ungleichheit, ja Ungerechtigkeit geprägt ist, Respekt noch zulässt - die Achtung vor dem anderen, vor allem vor den Gescheiterten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.10.2002

Rezensent Warnfried Dettling erblickt in Richard Sennetts "Respekt im Zeitalter der Ungleichheit" ein "differenziertes und ebendeshalb anregendes Buch" über Respekt und Ungleichheit. Im Unterschied zu seinem Bestseller "Der flexible Mensch" mit seiner konsequenten Kritik des digitalen Kapitalismus liegen die Dinge in Sennetts neuestem Werk nach Ansicht Dettlings etwas komplizierter. Als Kritiker von Ungleichheiten, die ihren Ursprung in der sozialen Organisation haben, sucht Sennett nach gangbaren Wegen, die Klienten des Sozialstaates als bedürftige Menschen zu behandeln und zugleich ihre Autonomie zu respektieren, hält Dettling fest. Er hebt hervor, dass Sennttes Ton durchweg skeptisch ist, der Autor oft einfach ratlos. Entschädigt werde der Leser nicht nur durch allerlei überraschende Einsichten und Perspektiven, sondern auch durch eine angenehme Lektüre, deren Reiz aus der Leichtigkeit komme, mit der sie sich zwischen theoretischer Reflexion, anschaulicher Erinnerung und erlebter Zeitgenossenschaft hin und her bewegt. Als Schwäche des Buches kritisiert Dettling, dass Sennett nicht einmal andeutet, wie man die Fehler der von ihm kritisierten Reformen vermeiden könnte.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Richard Sennett ruft nach "Respekt": für sich und seine beispiellose Karriere, aber auch für andere "Ghettokinder", die den Sprung über die kulturellen und sozialen Barrieren womöglich nicht schaffen. Das neue Buch des Kulturwissenschaftlers Sennett ist nämlich eine verkappte Autobiografie, behauptet Alexander Kissler, der zunächst nichts dagegen einzuwenden hat, dass Sennett seine eigene Geschichte zum Angelpunkt seiner Erörterung über soziale Ungleichheit und die Möglichkeiten ihrer Überwindung macht. Als Patentrezept empfiehlt Sennett eben "Respekt", auch wenn sich damit soziale Ungleichheit - an Vermögen, Talent, Herkunft - nicht wirklich aus dem Weg schaffen lassen. Das weiß auch Sennett, meint der Rezensent. Allerdings ist es ihm dann doch zu wenig, wenn sich 350 Seiten schließlich auf die eine Handlungsanweisung "Übt Respekt" reduzieren, ohne dass das "Rätsel namens Wirklichkeit" auch nur annähernd geknackt werde. Zumindest hätte Sennett den Versuch machen können, findet der Rezensent.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

In seine neuen Studie über Respekt unter Ungleichen hat der Soziologe Richard Sennett viel "autobiografisches Material" einfließen lassen, ist er doch selbst in den vierziger Jahren als Sohn einer Sozialarbeiterin in einer ursprünglich mit guten Absichten geplanten Siedlung für sozial Schwache inmitten Chicagos aufgewachsen, berichtet Hilal Sezgin. Dass sich der Autor selbst aus diesem Umfeld befreien konnte und als Soziologe so erfolgreich wurde, habe er seiner Liebe zur Musik zu verdanken, so die Rezensentin. Musik habe denn auch in dieser Studie stets "das letzte Wort", was Sezgin deutlich auf die Nerven geht. Denn "Selbstvertrauen", "Talent" oder "Aufstieg" ließen sich nun mal nicht allein, ist die Rezensentin überzeugt, mit Musik bewerkstelligen. Und so, warnt Sezgin, entpuppe sich das ganze Buch als "Kuddelmuddel", bei dem trotz aller Mühen nicht klar werde, was der Autor eigentlich aussagen will. Mit viel Wohlwollen hat Sezgin aber trotzdem noch drei mutmaßliche Anliegen Sennetts gefunden: einmal die Erkenntnis, dass das "Ideal der Gleichheit" als "Korrektiv" zur realen Ungleichheit nicht weiterhelfe, zum zweiten die Forderung nach mehr "Autonomie" der "Ungleichen" und zum dritten der Verweis auf das Scheitern des politischen Liberalismus, sinniert die Rezensentin.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002

Genau die Tugend, um die es ihm angeblich zu tun ist, lässt Richard Sennett in seinem Buch vermissen, findet Michael Schefzyk: Respekt nämlich vor den Schwächeren. Der Rezensent zitiert Passagen, in denen der Autor nach "Lust und Laune" aus seinem Leben plaudert, also aus dem Leben eines Amerikaners, der sich durch "Talent" aus der Abhängigkeit vom Sozialsystem befreit hat. Solcher "Klatsch", meint Schefzyk, ist unerheblich und höchstens "unterhaltsam" für Akademiker. Biografische Anekdoten führen durch die Diskussion, weil es ein "ehrliches" Buch sein sollte, referiert Schefzyk und merkt an: "Ob tatsächlich mehr Sachlichkeit, mehr philosophische Reflexion und sozialwissenschaftliches Material ein unehrliches Buch zur Folge gehabt hätte, das sei dahingestellt." Das Thema hat den Rezensenten offensichtlich interessiert, die Ausführung jedoch enorm verärgert.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.09.2002

Es ist das "Prinzip der Gegenseitigkeit", so referiert Rezensent Ulrich Greiner, in dem Richard Sennet die Möglichkeit eines Ausgleichs ungleicher Chancen sieht. Der Hauptaugenmerk des Soziologen gilt der Frage, wie gegenseitiger Respekt und gegenseitige Anerkennung zu erreichen sind. Zwar findet der Rezensent dies eine lohnende Frage, aber da Sennet, anders als der von Greiner anfangs zitierte Norbert Elias, keine These beziehungsweise zu viele Thesen hat, empfindet der Rezensent die Lektüre dieses Buchs als "verwirrende Mühsal". Die soziologisch schwammigen Begriffe, mit denen Sennet arbeitet, werden selten durch Ausflüge in Empirie oder Geschichte wirklich erhärtet, findet Greiner. Ihn stört, dass der Gebrauch verschiedener Gattungen - autobiografisch-narrative Passagen wechseln sich ab mit Analyse und Reflexion - den Autor meist nur ausweichen lässt vor der Strenge philosophischer Begrifflichkeit. Für Greiner erklärt sich der Erfolg des Wissenschaftsautors Sennet denn auch vor allem damit, dass dieser "Stichworte zur geistigen Situation der Zeit liefert", jedoch über eine kluge Beschreibung unser aller Ratlosigkeit nicht hinaus geht.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Seefahrergeschichten

08.02.2012: Die SZ feiert Michael Ondaatjes Geschichte seiner Schiffspassage von Sri Lanka nach England "Katzentisch". Auch Petur Gunnarssons Kindheitserinnerungen "Punkt Punkt Kommas Strich" kann sie sehr empfehlen. Als großes Vermächtnis würdigt die NZZ die "Römische Sozialgeschichte" des ungarischen Althistorikers Geza Alföldy. Sehr beeindruckt ist sie auch von Norbert Hummelts neuem Gedichtband "Pans Stunde". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Hanna Krall: Rosa Straußenfedern

30.01.2012: Briefe, Fragmente, Zettel und Erzählungen erzählen vom Leben der polnischen Autorin Hanna Krall, ihrer Freunde und Zeitgenossen. Der Zweite Weltkrieg, die Volksrepublik Polen, Solidarnosc, vergegenwärtigen sich in ihrer Biografie. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Rosa Straußenfedern". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren