Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Albanischen von Joachim Röhm. Wir befinden uns im Jahr 1378, die türkische Armee ist auf dem Vormarsch nach Albanien, mit ihr stößt das osmanische Reich an die Grenzen Europas. Dort, wo seit Jahrhunderten ein Kahn über die Bösen Wasser führt, soll nun eine Brücke die beiden Ufer miteinander verbinden. Die Konkurrenz der ortsansässigen Fährunternehmer mit den zugereisten Straßen- und Brückenbauern erschwert ihre Fertigstellung. Immer wieder gefährden Sabotageakte die Statik der Brücke. Wandernde Sänger rufen den Beteiligten die "Legende vom Einmauern" ins Gedächtnis und bald ist klar: ein Blutopfer muss her, nur ein Menschenopfer kann den Abschluss der Bauarbeiten bewirken.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.11.2002
Alexander von Bormann gratuliert dem Autor zu diesem Buch, dessen Geschichte im 14. Jahrhundert in Albanien spielt und in den es um eine Brücke geht, deren Bau bei Volk und Fürsten heftig umstritten ist. Erzählt wird der Streit von einem "nachdenklichen, etwas einfältigen Mönch". Diese Figur, so Bormann, sei allerdings ein hervorragender Beobachter. Seine Ansichten und Einwürfe führen den Leser gekonnt durch den "clash of civilizations" im damaligen Albanien. In dem Buch spiegelten sich gleich mehrere Konflikte des 21. Jahrhunderts wieder, erfahren wir von Bormann: Sowohl der Kulturstreit zwischen Islam und Christentum als auch eine "sozusagen moderne Realität, die - den Gewinn im Auge - sich dieser Traditionen bediente" machten die Geschichte hochaktuell, lobt der Rezensent. Das Buch besteht aus 61 Kurzkapiteln und entwickle, "eine balladenhafte Wucht" und der Autor sei in der Lage diese "ideologische Gemenge-Lage mit Kraft und Poesie zu binden".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2002
Glänzend geschrieben und spannend zu lesen findet Rezensent Beqe Cufaj den Roman, der in seinen Augen "so etwas wie ein mittelalterlicher Wirtschaftskrimi" ist. Kadare verbinde "die Frage nach der Entstehung und Wirkungskraft von Mythologien und Legenden mit Versatzstücken aus der albanischen Geschichte kurz vor der Eroberung des Balkans durch das osmanische Reich. Daneben liefere Kadare auch seine Sicht auf das heutige Problem der Hinterlassenschaft der vier Jahrhunderte währenden Osmanenherrschaft und die Position Albaniens zwischen Orient und Okzident. Der Rezensent nimmt den Roman dabei gegen den Vorwurf antitürkischer und albanisch-naionalistischer Vorwürfe in Schutz, indem er zu bedenken gibt, dass dies Buch bereits 1978 geschrieben wurde, als Albanien noch ein sowjetischer Satellitenstaat war, dessen Gegner und Überwinder mit der Losung "Auch wir sind Europa" durch die Straßen gezogen seien. Cufai lobt auch die Übersetzung des Romans, der Vorfreude wecke auf weitere Bücher des Nobelpreiskandidaten, die vom auch diesen Roman publizierenden Schweizer Amman Verlag geplant seien.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2002
Die Romane des 1936 geborenen albanischen Schriftstellers Ismail Kadare gehören "mit zum Besten", was "ein Leserleben zu bieten" hat, verspricht Andreas Breitenstein. Für einen sehr langen Zeitraum war Kadare der einzige Autor, der der Welt von dem sowohl gegen den Westen als auch gegen den Osten abgeriegelte Albanien erzählt hat, weiß der Rezensent. Erstmals liegt nun auf Deutsch Kadares 1978 veröffentlichter Roman "Die Brücke mit den drei Bögen" vor. Darin geht es um "eine Legende, die zum Kriminalfall wird", so der Rezensent. Handlungsort der im Jahr 1378 spielenden Ereignisse ist eine Steinbrücke, zu deren Bau es angeblich eines Menschenopfers bedarf. Ein wenig zu "nationalistisch" geht es Breitenstein in diesem Roman zu, etwa wenn Kadare die Abwehr der Albaner gegenüber den Türken beschreibt, doch rettet das "literarische Können" des Autors den Text vor einer gänzlichen "propagandistischen Schieflage". Vor allem besticht der Roman als "kulturgeschichtliches Gemälde", als "sozioökonomische Parabel" und als "Studie über Massenhysterie", lobt Breitenstein. Und doch bleibt bei aller "glänzenden" Erzählweise am Ende ein patriotischer Unterton, bei dem Breitenstein unbehaglich wird. Er grübelt, ob Kadare wohl beim Verfassen dieses Textes unter dem "mythischen" Einfluss des Vollmondes gestanden hat.
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