Sven Lager

im Gras

Roman
Cover: im Gras
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2002
ISBN 9783462030945
Taschenbuch, 233 Seiten, 8,90 EUR

Klappentext

Ein junger Maler kommt nach Bangkok und erfährt dort, dass eine Freundin im Sterben liegt. Von seinen Freunden zurückgelassen und durch einen lächerlichen Unfall unbeweglich, versucht er das Unmögliche: Sie mit Hilfe der Erinnerung zu retten. Sven Lager lässt seinen Erzähler kompromisslos und sehr poetisch die verlorene Liebe wiederfinden, auch wenn dieser am Ende den Wettkampf gegen den Tod verliert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2002

Der zweite Roman von Sven Lager speist sich aus der Erinnerung des Protagonisten, eines jungen Malers, der durch einen eingegipsten Fuß zur Bewegungsunfähigkeit verurteilt ist und stattdessen seinen Erinnerungs- und Gedankenfluss in Bewegung gesetzt sieht. Der Protagonist erinnert und erinnert sich nicht, genauer gesagt, er wundert sich ob seiner Geschichtsvergessenheit, die damit für Kai Martin Wiegandt zum eigentlichen Thema des Romans wird. Seiner Meinung nach will Lager zeigen, wie zwischen den Generationen der Faden reißt, wenn es keine gemeinsame Geschichte oder zumindest gemeinsame Erinnerung an diese gibt. Das sei dem Autor soweit auch gelungen, meint Wiegandt, empfindet es allerdings als problematisch, dass das Thema der Geschichtsvergessenheit selbst keinen Konflikt zeugt, ein Widerspruch, den es sozusagen in sich trägt. Damit treibe die Geschichte leider an der Oberfläche, kritisiert er, man erfährt viel mehr, als man erfahren möchte, so Wiegandt, dem am Ende nur das Prädikat "langweilig" bei soviel Geschichtsvergessenheit einfällt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2002

Claudia Kramatschek ist ganz begeistert: Dass der passionierte Insektensammler Lager sich "mit einem gewaltigen Sprung" aus der Leere des popliterarischen Nichts retten würde, hätte sie wohl nicht für möglich gehalten. Da muss es gewaltig erscheinen, wenn es dem Autor gelingt, "die Dinge auf ihre Seele hin zu belauschen" und "etwas vom Leben im Spiegel des Gewimmels im Kleinen zu erfassen", und nachgerade olympisch, dass er mitunter "einen jener Fäden vom zarten Gewebe der fragilen Existenz (erhascht)". Für die erzählerische Verschränkung von Gegenwart und Vergangenheit (personifiziert durch einen jungen Maler und eine sterbende ältere Frau) ist Kramatschek dem Autor dankbar, deutet sie als Überwindung der generationstypischen Geschichtsvergessenheit und schwärmt: "Statt Drogenrausch berauscht hier die so schöne wie schlicht geschilderte Natur."
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