Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Mit 16 Jahren sieht Justyna keinen anderen Ausweg, als ihr Leben zu beenden, bevor es richtig begonnen hat. Doch nicht Todessehnsucht treibt die junge Heldin im vierten Roman von Elke Naters, sondern ungestillte Lebensgier. Und Justyna entscheidet sich anders: Sie bricht die Schule ab und macht sich auf die Reise. Sie geht ihren Weg, der sie in die Dunkelheit der Nächte auf Jamaika und ins kalte Licht der westlichen Städte führt. Sie sucht ihr Glück beim Sex, im Beruf, in der Kunst, bei Männern, Frauen und in der Familie. Justyna lässt nichts aus, sie liebt, hasst und leidet. Sie stürzt sich ins Leben und landet nicht mehr - am Ende bleibt immer die Leere und eine unerfüllte Sehnsucht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2006
Als eine Art autobiografisches "Protokoll" beschreibt Rezensent Rainer Schulze den Roman, sein Unbehagen an dem Text bleibt aber stets zwischen den Zeilen versteckt. Sehr kühl käme die mit Jahreszahlen geordnete Geschichte von der sechzehnjährigen Justyna bis zur späten Familiengründung daher, und keineswegs nur deshalb, weil die Heldin notorisch zu frieren pflegt. Die Sätze sind knapp gehalten, der nüchterne Tonfall macht es zumindest dem Rezensenten unmöglich, Mitgefühl oder gar Mitleid zu entwickeln. Auch ihre Gedanken teile die Heldin nur zögerlich mit dem Leser. Auch wenn die "Körperzustände" demgegenüber sprechender seien, bleibt dem Rezensenten das Gefühl allzu großer Unbestimmtheit, sowohl der Heldin, als auch des Romans.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2006
Martin Krumbholz bedauert, dass Elke Naters nach ihren drei leichtfüßig-ironischen Romanen nun einen Genrewechsel vorgenommen hat, "von der Komödie zur Tragödie". Erzählt werde, chronologisch nach Jahreszahlen, die Geschichte der 1963 geborenen Justyna, die 2002 im Meer ertrinkt. Hauptsächlich gehe es im Leben der Justyna um zahlreiche Männerbekanntschaften und "sexuelle Entgrenzung". Der Rezensent stört sich vor allem an der rigoros eingehaltenen Außenperspektive, der mechanischen Schilderung und der fehlenden psychologischen Introspektion, die ihn als Leser unberührt von der Tragik der Ereignisse zurücklässt. Auf der formalen Ebene sieht er den Roman als gescheitert an, die Autorin habe mit den Mitteln der Komödie eine Tragödie schreiben wollen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2006
Für Christoph Schröder gehörte Elke Naters einst zu jenen Nachwuchshoffnungen der 90er Jahre, die sich an das "selbstgeschaffene Gespenst" Popliteratur von hinten "heranpirschten und ihm auf elegante Weise die Luft rausließen". Diesen Bonus hat die Autorin mit ihrem neuen Roman "Justyna" beim Rezensenten offenbar verspielt: Nicht nur, weil sie mit der titelgebenden Figur die ziemlich belanglose Biografie einer Mitvierzigerin erzählt, sondern auch mit einer "trockenen, leidenschaftlosen, ja geradezu unliterarischen Sprache" ermüde. Wenn hier die Tragik einer Frau vorgeführt werden sollte, die viel vor hatte, sich nun aber auf einer "lauwarmen Zufriedensheitsstufe" zwischen Schneideratelier, Fernsehabend, Kindererziehung und kleinen Ausfluchten am Wochenende wiederfindet, dann ist dieser Versuch gescheitert, meint ein eher gelangweilter Rezensent: "Nur Altern, keine Entwicklung, soviel erlebt, sowenig daraus gemacht."
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