Herausgegeben von Ina Schabert, unter Mitwirkung von Andreas Höfele und Manfred Pfister. Aus verschiedenartigen Perspektiven werden Werk und Wirken von Wolfgang Clemen (1909 - 1990) im Kontext seiner Zeit erläutert und im Rückblick bewertet. Die Bedeutung von NS-Regime und Krieg für eine Karriere als Universitätslehrer, die Zwischenstellung der Anglistik zwischen deutschen und englischen Wissenschaftstraditionen, die Grenzgänge der Literaturwissenschaft zwischen nüchterner Textanalyse und dem Nachvollzug künstlerischer Kreativität, der Zustand dieser Wissenschaft vor ihrer Theoretisierung und der Mehrwert, den die Theoriebildung brachte, oder auch die besondere Verpflichtung der Literaturwissenschaft gegenüber dem Leser derartige Themen von allgemeinerem Interesse kommen in den Blick. Die politischen Dimensionen seiner Autoritätsposition, die Clemen eher ignorierte, werden ebenso ausgeleuchtet wie die gesellschaftlichen Verpflichtungen, die er sich im Namen seiner Wissenschaft zu eigen machte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.05.2009
Rezensent Frank-Rutger Hausmann begrüßt diesen von Ina Schabert herausgegebenen Band zu Ehren des großen Anglisten Wolfgang Clemen, der in diesem Frühjahr einhundert Jahre alt gewordern wäre. Er zählt Clemen zu der "heute ausgestorbenen Spezies des Großordinarius, der seine Disziplin repräsentierte und dafür einstand". Die Beiträge der vierzehn Autoren sind für ihn eine gelungene Würdigung des Literaturwissenschaftlers. Er schätzt das Nivau der Texte, die bei aller Anerkennung ohne hagiografische Züge auskommen und auch einmal kritische Töne anschlagen. Deutlich wird für ihn dabei, was eine "charismatische Gelehrtenpersönlichkeit" wie Clemen auszeichnet. Neben Publikationen, die auch von anderen Fachdiziplinen und Laien wahrgenommen werden, nennt er in diesem Zusammenhang Klarheit des Gedankens sowie verständliche und elegante Darstellung. Hausmann sieht in dem vorliegenden Band aber nicht nur eine schöne Hommage an Clement, sondern auch einen "fesselnden Beitrag" zur Geschichte der Geisteswissenschaften sowie ein "Lehrstück" für Wissenschaftspolitiker.
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