Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

William Faulkner

Mississippi

amerikanisch/deutsch

Cover: Mississippi

Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN-10 3878777396
ISBN-13 9783878777397
Gebunden, 128 Seiten, 50,11 EUR

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2001

Eine verdienstvolle Sache, so könnte man die Meinung des Rezensenten (Kürzel as.) zu diesem Band wohl zusammenfassen. Der Prosatext gehört zu Faulkners besseren, die Beschreibung eines Hochwassers gehört gar, findet der Rezensent, zu seinen "literarischen Paradestücken". Interessant erscheint er als Bindeglied zwischen "Biographie und Werk" und am hier veröffentlichten Fasksimile des Originaltyposkripts lasse sich "Einblick in die Entstehung eines Prosastücks" gewinnen. Bedauerlich nur, dass der Band wohl nur die Kenner reizen wird - und leider ist auch die erstmalige deutsche Übersetzung nach Meinung des Rezensenten "nicht ganz makellos".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000

Faulkner liebte Menschen und Landschaften des Ol` Man River. In seinem 40 Schreibmaschinenseiten langen Text - eine Auftragsarbeit der Zeitschrift "Holiday" - fand er für diese LiebeWorte. Er beschreibt unter anderem eine Überschwemmung des Mississippi, und Rezensent Dieter Hildebrandt ist voller Bewunderung, wie sich dabei Strom und Erzählfluss verbinden. Endlich kann man diesen Fluss auch als deutsche Erstausgabe verfolgen, eine "der schönsten Reproduktionseditionen der letzten Jahre," so Hildebrandt. Er lobt die Herausgeber des Faksimile, Roland Reuß und Peter Staengle, für ihren "editorisch mustergültig versorgten Band". Die Leser dieser "parasomatische(n) Lebens- und Landschaftsbeschwörung" können sich außerdem über Originalfotos im Anhang freuen und über "die wenigen Korrekturen" staunen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2000

Als "exemplarische Klassikerleiche" bezeichnet Rezensent Paul Ingendaay den Nobelpreisträger von 1950 und zitiert den Philosophen Hans Blumenberg, der im Zusammenhang mit Faulkners Werk von den "Urvorgängen, aus denen die amerikanische Welt heraufsteigt" gesprochen habe. Das im Stroemfeld Verlag erschienene Buch sei deshalb ein Geschenk - wenn auch nur für eine "außerordentlich kleine, versprengte Schar von Lesern". Womit der Erfolgsautor der Nachkriegszeit wohl endgültig in den Himmel des Elitären rückt. Zum erstenmal erscheine dieser Text auf deutsch, erfahren wir, und in "einem mäandernden Strom von Assoziationen" durchfließe der Text den reichen Boden, aus dem "fast zwanzig miteinander verzahnte Bücher" entstanden seien. Der großformatige Band sei von gewohnter und textkritischer Stroemfeld-Genauigkeit, und der Essay von Mitherausgeber Roland Reuß erlaube sich auch gegenüber harmloseren Wörtern des Hauptextes "ein freies Spiel der Assoziationen". Wobei allerdings die Übersetzung selbst dem Präzisionsstandard der Edition nicht immer genügt, so der Rezensent, der bedauert, dass hier kein Faulkner-Kenner zum Redigieren gebeten wurde. Die Faulkner-typischen Sprachfinessen erläutert Ingendaay dann selbst an ein paar Text- und Übersetzungsbeispielen und wir wissen danach: er selbst hätte der vermisste Kenner sein können.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000

Erstaunlich, wieviel Stoff ein literarischer Essay hergeben kann. Rezensent Hansjörg Graf hat eine beachtliche Leistung vollbracht: In seiner ausführlichen Besprechung bietet er ein Stück Entstehungsgeschichte, ein Stück Rezeptionsgeschichte, eine Erläuterung der zweisprachigen, mit Materialien und wissenschaftlichen Kommentaren versehenen Ausgabe, eine Interpretation und eine Kritik von Faulkners `Schlüsseltext`. Mit dem `Romanessay` (im Original 1954 erschienen) hat sich Faulkner seiner Heimat zugewandt, erzählt er. Aber wenn auch dem Text ein `Hauch von Nostalgie` beiwohnt, Faulkner bietet dem Leser mehr. Der Rezensent erkennt eine Mischung aus Retrospektive und Gegenwartskritik. Viele Lesarten sind möglich. Hier gehe es um die Familiengeschichte gleichermaßen wie um andere Themen, die mit dem Yoknapatawpha County verknüpft sind: Ku-Klux-Klan, Eisenbahnbau, Sklaverei, Prohibition, Baumwolltransporte und Nord-Süd-Spannung. Faulkners Blick darauf ist dabei nicht nur erzählend-historisch, sondern auch soziologisch, so Graf. Und er habe immer den politischen Hintergrund vor Augen. Dabei bediene er sich aus dem Fundus seiner Romane und Erzählungen wie auch seiner persönlichen Erinnerung. Eben ein Schlüsseltext zu Faulkners Gesamtwerk, den die Herausgeber der deutschen Ausgabe, Roland Reuß und Peter Staengle, ausgezeichnet wissenschaftlich editiert hätten - ganz dem Niveau des Instituts für Textkritik entsprechend, lobt der Rezensent.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.09.2000

Volker Weidermann findet es ?fast unglaublich?, dass die - wie er andeutet bereits vor fast fünfzig Jahren entstandene - halbfiktionale Autobiografie Faulkners erst jetzt auf Deutsch erschienen ist. Und dass mit dieser Ausgabe das ?Originalmanuskript (...) mit allen Streichungen und Umarbeitungen übersetzt und kommentiert? wurde, scheint ihn geradezu zu begeistern. Über den Inhalt des Buchs erfährt man in der Rezension wenig, ebenso über den Stil. Weidermann betont jedoch die Mischung zwischen wirklich Erlebtem und Fiktivem in diesem Buch, und dass für Faulkner Wahrheit nur eine Frage der Sichtweise war. So beginnt das Buch mit einer für Wahrheitsfanatiker hanebüchenen geografischen Diagnose, die den Einspruch jedes Geografen hervorrufen müsste. Jedoch - ?der Dichter sagt: So ist es?, zitiert Weidermann, und macht damit recht deutlich, wie diese Autobiografie zu verstehen ist.

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