Herausgegeben von Burkhardt Lindner. Die Abhandlung, die zu Lebzeiten des Autors nur in einer französischen Übersetzung erschien, wird aus dem Nachlass ediert, und zwar im vollständigen Textbestand. Dieser umfasst fünf in sich abgeschlossene Fassungen aus der Zeit zwischen Herbst 1935 und Sommer 1936 sowie zahlreiche Manuskripte zur Weiterarbeit, die zwischen 1936 und 1940 entstanden sind. Sowohl die erste Fassung wie auch andere theoretisch bedeutsame Manuskripte werden damit erstmals zugänglich gemacht. Der Kommentarteil erörtert detailliert die Entstehungsgeschichte und erschließt die vielfältigen Zitat- und Quellenbezüge. Bislang unbekannte Zeugnisse zu Benjamins Publikationsbemühungen und zur damaligen Rezeption werden im Dokumentarteil abgedruckt. Das Nachwort des Herausgebers erhellt den politischen Kontext der Schrift und stellt deren ästhetische wie medientheoretische Aktualität für eine postkapitalistische Perspektive heraus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.07.2013
Keine Scheu vor Klassikern empfiehlt Jörg Später angesichts der neuerlichen, gleich fünffachen Publikation von Benjamins "Kunstwerk"-Aufsatz in der Kritischen Gesamtausgabe der Werke Walter Benjamins. Das gilt laut Später, wenn ein Text derart neu ediert und mit Entstehungs- und Publikationsgeschichte wie einem herausragenden Nachwort ausgestattet daherkommt, wie in diesem Fall. Dass ein Klassiker zur Entdeckung werden kann, beweist die Ausgabe für den Rezensenten, indem Herausgeber Burkhard Lindner Benjamins Arbeit als neue Deutung der Künste und der Wahrnehmungsweise des Menschen schlechthin auslegt. Ferner bemerkenswert findet Später, was hier Neues zu alten Debatten gesagt wird. Nämlich zu Horkheimers angeblicher Zensur des "Kunstwerk"-Aufsatzes und zu Brechts Meinung bezüglich Benjamins Auratheorie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2013
Für Bernhard Dotzler gehört dieser Band zu den schönsten Büchern des Jahres, gestalterisch wie inhaltlich. Dass der Leser zunächst mit wilden Streichungen konfrontiert wird, birgt für Dotzler u. a. den Zauber der Edition. Denn sie enthält neben der Reinschrift und den verschiedenen Fassungen von Walter Benjamins "Kunstwerk"-Aufsatz auch den Entwurf von 1935. Letzterer nun lässt den Text für Dotzler zwar nicht neu oder anders erscheinen. Auf den von Benjamin angestrebten unverderblichen Ausdruck jedoch wirft die kritische Edition nun laut Rezensent allerdings ein aufregend neues Licht, indem sie die "wunderbarste" Unfertigkeit dokumentiert, das gedankliche und stilistische Ringen des Autors, auch dessen Eile. Und all das, freut sich Dotzler, gleich neben dem ehern scheinenden Benjamin-Wort.
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